Dienstag, 01.04.2008 - Alice Springs

OSTERN im ZENTRUM

Wir sind noch immer in Gemtree!!!!!
Das ist okay so - denn Angas und ich untersuchen noch immer das Gelände - immerhin haben wir 250 acres zum Erkunden und Erforschen. Angas entdeckt immer wieder etwas NEUES, allerdings sind seine liebsten Beschäftigungen nach wie vor Schmetterlinge fangen und Vögel jagen.

OSTERN....das war aber doch Spannender.
Ich wollte eine Messe während der Osterliturgie besuchen......mit Shane habe ich mich auf Gründonnerstag geeinigt, denn da konnten wir gleichzeitig eine Fuhre Altmetall abgeben, Einkäufe erledigen, emails Abrufen, Messe besuchen und dann blieben wir noch gleich über Nacht in Alice, weil Nachtfahrten hier nicht wirklich ratsam sind, der Kängurus und der Kühe wegen. Am Straßenrand liegen genug „roadkills".
So....aber nun schön der Reihe nach.

Palmsonntag haben wir geruhsam in Gemtree verbracht, nachdem wir am Samstag noch Freunde aus Österreich auf ein paar Biers im „Bojangels", dem legendärem Pub in Alice getroffen hatten.
Montag bis Mittwoch waren Shane und Darrel wieder out bush, Angas und ich fast alleine am Camp Ground.
Am Mittwoch hatten wir das erste wirklich gute Camp Fire in Gemtree, immerhin kündigt sich der Herbst an und die Tage sind nicht mehr so heiß!!!! (und die Nächte „freezing cold").
Am Gründonnerstag ging es zeitig - 6.00 also noch vor Sonnenaufgang hinaus in die weite Welt nach Alice Springs. Wie gewöhnlich erledigte ich meine Mails, ein paar Einkäufe etc. und Shane ging mit Angas seinen Weg.
Meinen obligatorischen Kaffee habe ich auch getrunken - um auch meine Osterpost aufzugeben...viel zu spät....aber das hat mit der Zeit unserer Besuche in Alice zu tun!!!!
An diesem Tag hatten wir eine „cabin" im Stuart Caravan Park gebucht.....und gegen 14.00 Uhr übernahm ich sozusagen Angas, sodass Shane noch den Rest der Besorgungen erledigen konnte. Bereits am Samstag sagte ich ihm, dass „Woolworth" („Woolies") am Karfreitag geschlossen sei. Shane wurde durch einen Mitarbeiter eines Besseren belehrt, erledigte aber trotzdem fast alle Einkäufe....und als er dann am Karfreitag frisches Obst und Gemüse kaufen wollte stand er vor verschlossenen Türen.....bei allen Supermärkten der Stadt.
Karfreitag ist also ein echter Feiertag in Australien!!!!
Am Gründonnerstag selbst besuchte ich noch die katholische Kirche in Alice, wo mich ein sowohl musikalisch als auch liturgisch schönes Fest erwartete. Beeindruckend für mich natürlich die bunte Mischung an Rassen, die dem Gottesdienst beiwohnten. Ein weißer Priester, ein Aboriginal Priester und ein Priester aus Ghana.....der scheints einen ganzen Clan nach Alice Springs gebracht hat, denn von den 8 Ministranten waren 6 schwarze Kinder -offenbar Afrikaner und im Chor sangen ebenfalls zwei Schwarzafrikanerinnen mit (neben einer Indianerin, Aborginefrau, gelbhäutigen Menschen und Weißen). Dann waren da viele gelbhäutige Menschen - woher auch immer, Phillipinnen, China, Vietnam,.....einige Aborigines wohnten der Messe bei....ja und auch Weiße.
Nach der Messe spazierte ich noch durch die Stadt - und erwartete eigentlich viele betrunkene Aborigines. Leider - Donnerstag ist Geld Tag....und von früheren Aufenthalten hier weiß ich, nicht gut zum Flanieren. Aber heute war es ganz ruhig. Auch die Zeitungen sagten schon, dass die Polizei immer mehr Anstrengungen macht, die Aboriginal People aus dem Stadtzentrum zu „entfernen"....scheints gut gelungen! .... but what a sad story!
Zurück am Campingplatz in unserer Cabin schaue ich das erste mal seit 2 Monaten fern.....um zu erfahren dass Amerika seit 5 Jahren Krieg gegen Irak führt, dass der Ölpreis steigt, dass es im tropischen Norden noch immer regnet, ..... also nicht wirklich viel Neues....denn die Erde dreht sich noch immer!

Karfreitag - Abfahrt 9.45 Uhr - ich gehe mit Angas zum Kreuzweg um 10.00 Uhr....der wie ein Schauspiel in der modernen Kirche am Fuße des Anzac Hills inszeniert ist.
Die Oster-Feierlichkeiten sind natürlich gleich wie unsere.
Allerdings wäre ich gerne am Ostersonntag dabei gewesen. Um 6.00 Uhr morgens versammelten sich die 12 katholischen Kongregationen die in Alice Spring (25.000 Einwohner!) ansässig sind zu einer Feier am Anzac Hill um den Morgen, die Sonne und „den Sohn" zu begrüßen (wie es in der Zeitung stand).
Aber ich hatte meine „Ostermesse" und wir fuhren wider Richtung Heimat.......nach 11.00 Uhr....ohne frisches Obst und Gemüse.....aber sonst ziemlich beladen. Shane war nur heilfroh, dass er den Großteil des Einkaufes bereits am Donnerstag erledigt hatte, sowie auch „den Fisch".....denn sonst hätten wir am Karfreitag nichts zum Essen gehabt, und zum Angeln gibt es hier in den trockenen Flussbetten auch nichts. Am Karfreitag, 21.3.2008 gab es traditionell Fisch zum frühen Abendessen und ich bestand dann auf ein Camp-Feuer......immerhin ist das bei uns der traditionelle Tag zur Sonnenwende. Wir hatten ein riesiges Campfeuer, das ich lange in die Nacht hinein genoss, als der Campground schon fast ruhig war, denn wir staunten nicht schlecht, als wir die vielen Autos und Camps bei unserer Rückkehr sahen.
Viele Leute aus Alice nutzen die Feiertage (Freitag bis Montag) um der Stadt zu entfliehen, und so denke ich waren bestimmt 7 bis 8 Camps aufgebaut, vielleicht 20 bis 30 Erwachsene, und wie wir am nächsten Tag feststellen konnten - viele KIDNER!!!!

Der Karsamstag war spannend, denn es dauerte nicht lange bis Angas die Kinder unseres „Nachbarzeltes" entdeckt hatte, 3 Buben (4 bis 6 Jahre alt) 2 Mädchen (1 und 2 Jahre alt). Es bahnten sich richtige „Freundschaften" an - und die Buben spielten gerne mit Angas, Angas gerne mit ihnen. Einmal dort einmal da.....denn es ist ja auch interessant, Spielsachen auszutauschen.
Am Samstag gab es um 16.00 Uhr „Ostereiersuche" im Creek, veranlasst von den Besitzern des Campgrounds. Es waren eine Menge Kinder da und alle suchten fleißig im Sand - allerdings nicht nach echt vergrabenen Ostereiern sondern nach Eiern aus Pappe mit einer Nummer drauf. Als Carmel das Spiel zum ersten Mal initiierte, schmolzen die echten Schokolade Eier dahin. Heuer gab es nach der großen Suche die Verteilung der Eier und jedes Kind konnte mit einem Sack voll Eier wieder nach Hause gehen, was das Warten auf den nächsten Morgen sehr spannend machte.
Die Buben unserer Nachbarn waren kurz vor Sonnenaufgang aktiv und neugierig ob denn Easter Bunny auch nach Gemtree kommt und sie nicht vergisst. Am Samstag zeichneten sie noch einen Plan mit allen Namen drauf, dass wirklich jedes Kind etwas bekommt. Ich fand es süß, dass sie auch Angas in ihrem Plan aufgenommen hatten.
Auch zu uns kam der Osterhase und der „Easter Bilby" - das australische Pendant zum Osterhasen. Ein endemisches Beuteltier, das vom Aussterben bedroht ist. Nachdem es ja besonders die eingeführten Tiere sind, die den Lebensraum der heimischen Tiere gefährden, gehört auch der Hase zu den „Feinden". Easter Bilby, mit seinen hasenähnlichen Ohren, der am Boden lebt und die Größe eines Hasen erreicht ist da ein guter Ersatz. Zu uns kamen jedenfalls (Lindt)Osterhasen und (Cadbury)Bilbys.
Angas hat vom Osterhasen auch einen neuen Traktor mit Kippschaufel bekommen, mit dem er ganz glücklich ist, denn jetzt kann er so arbeiten wie sein Papa und Steine in den großen Kipp-Laster aufladen.
Was ich auch unbedingt am Ostersonntag haben wollte waren gefärbte, harte Eier. Zu kaufen gab es sie nicht, also versuchte ich Eierfarbe zu bekommen. Weder in Drogerien, noch in Farbhandlungen noch in Supermärkten konnte ich diese finden. Also.....mir war jetzt klar, Australier essen zwar viele Eier, aber keine echten Ostereier.
Der Rat meiner Mutter mit Zwiebelschalen und Kaffeesud zu färben war gut, nur bei uns gibt es nur Löskaffee.....und die Suche nach weißen Eiern ist auch erfolglos verlaufen. Also hatte ich noch die Option eine Dose rote Rüben aufzumachen und mit dem Saft die braunen Eier zu färben.
Eine gewiefte Drogistin meinte, ich soll doch Lebensmittelfarbe kaufen und damit färben, was ich auch prompt tat und gut gelungen ist. Wir hatten rote, grüne und blaue Eier (die schauten allerdings auch fast wie die grünen aus, weil ich ja nur braune Eier zum Färben hatte.)
Zum Osterfrühstück musste dann jeder natürlich „Eier Päcken" ....so wie ich das von zu Hause gewohnt war. Ich brauche hier kaum erwähnen, dass dies natürlich neu für alle anwesenden war....und ich fast immer als Siegerin hervorgegangen bin.
Angas hat das „Eier Päcken" ganz großen Spaß gemacht, am liebsten hätte er sich alle Eier des Kühlschranks geholt zu diesem Spiel, und es hat einige Tage gebraucht bis er nicht die rohen Eier auch „Päcken" wollte. (Ich muss bald wieder mal harte Eier kochen!!!)
Ja und so sind Ostern mit den vielen Kindern ganz wunderbar verlaufen.
Wir hatten noch ein gemeinsames Bad in der großen Wanne mit den Nachbarsbuben, die am Nachmittag dann leider weg waren und die Mädels haben geschlafen. Also mussten wir anderes machen. Dabei sind wir nochmals auf drei Buben gestoßen und beim Besuch seines geliebten Billabongs mit den Enten sah er dann „Elissa", dieses Blondinchen (2 ½ Jahre alt) und er rannte ihr buchstäblich hinterher, bis zu ihr nach Hause. Auch die zwei hatten noch eine lustige Zeit miteinander.
Am Ostermontag fuhren Shane und Duffy wieder zeitig weg, was mittlerweile immer Tränen bei Angas verursacht. Dann kam noch lange Spielzeit mit den Buben in unserem Nachbarcamp (was die Eltern sehr zu schätzen wussten, denn die konnten in Ruhe packen), ja und dann kam der nächste Abschied. Kurz danach bekamen wir noch Besuch von den Lehrern in Engewala, die zum Wochenende beim Rodeo und Yimkhana in Aileron waren, und dann kurz nach der Mittagszeit waren wir wieder alleine. Alle Zelte und Camps waren wieder abgebaut und der Platz gehörte wieder uns.
So sollte es bis heute bleiben, nur wenige Leute kommen derzeit. Kaum zu glauben, dass in der Hauptsaison der Platz voll ist, und die Familie Chamers vermittelt mir das Gefühl, dass die Hauptsaison eigentlich schon anfangen sollte. Ihre Mitarbeiter sind alle da, stehen „Gewehr bei Fuß" .... aber es fehlen die Menschen. Da ist Kerry, „the Cutter", der den ganzen Tag im Geschäft sitzt und mit einer Eselsgeduld Steine schleift. Da ist seine Frau Hazel, die für die Sauberkeit der Toiletten und der Cabins verantwortlich ist. Da ist Shirly im Verkauf und ihr Mann Fred, der die Granat Touren fährt, und da ist noch ein Ehepaar.....ich konnte sie noch nicht kennen lernen, aber das ist der Führer der Zirkonen Touren.
Ich denke auch praktisch und weiß, dass die Leute alle bezahlt werden müssen, wöchentlich, denn sie leben hier in Gemtree. Nachbarstadt ist Alice Springs, 140 km entfernt. Niemand würde diese Strecke täglich auf sich nehmen.
Ich / Wir genießen die Ruhe hier.
Shane war bald von seiner Ostertour zurück.....da kam dann auch für zwei Tage schlechtes Wetter und Regen, sodass wir unser Camp in den Wohnwagen hinein verlegen mussten, das wurde ziemlich eng, aber für ein paar Tage okay.
Shane fuhr dann für das Wochenende nochmals weg, um einen „canvas run" zu machen, immerhin sind wir am Rande von Utopia, wo Shane die meisten seiner derzeitigen Kontakte zu Malern und Künstlern pflegt und wo er seit Ende der Inniziations-Zeremonien in Februar auch wieder wunderschöne Bilder von Lindsay Bird, June Bird, Greeny Purvsis, Kathleen Gnala etc. bekommt.

COMMUNITY LIFE AFTER „SORRY"

Die Situation in den Communities ist nach dem „SORRY" nicht anders als zuvor. „Das „Sorry" das ist etwas für die Mischlinge und die Stadt-Aborigines, aber nicht hier für uns!"
Was nicht heißt, dass die Probleme in den communities nicht schwerwiegend sind.
Die Zeitungen sind voll mit politischen Versprechungen, mit Berichten über die Intervention im Northern Territory (das Eingreifen des Militärs in manchen communities), mit dem Pusch nach vor für Aboriginal people sie in Sachen Bildung und Gesundheit auf den gleichen Stand der weißen bringen zu wollen. Wer Leben in den communities kennt, weiß, dass dies Träume von Politikern sind, die weit weg vom Ort des Geschehens leben und arbeiten und ihre Pläne entwickeln.
In der Wochenendausgabe von „The AGE" (15.3.2008) war ein erschütternder langer Bericht über einer der scheint's gefährlichsten communities Australiens, Aurukun, Cap York, Queensland, „WIK PEOPLE". Wurzeln fehlen, zwei Generationen keine Erziehung, unvorbereitet von einer streng geführten Missionsstation in die Freiheit entlassen. Eine „canteen" mit Bierausschank wurde 1986 eröffnet mit dem Erfolg dass gegen Ende des Jahres alle 20järigen Männer, fast alles 30 jährigen Männer und ein Drittel der Frauen Alkoholiker waren. (Untersuchung von David Martin). Dem Bericht zufolge ist das Leben in Aurukun sehr gefährlich geworden. Zerschlagene Autos, Straßenkämpfe, Vergewaltigungen, .... stehen an der Tagesordnung. Für die jungendlichen ist es eine Mutprobe auch ins Gefängnis nach Cleveland zu kommen, so wie für den 12-jährigen „C" in dem Bericht. Die „elders" der Siedlung fordern, die Kinder weg zu bringen, in Internatsschulen, wo sie eine ordentliche Bildung erfahren können, um so einen Fuß in beiden Welten halten zu können.
Zerstörte Häuser, Kinder die nicht in die Schule gehen, Gewalt zu Hause, Alkohol, etc.....all das gibt es aber leider auch in vielen anderen Aboriginal Siedlungen. Und die „elders" sind oft machtlos, sterben aus,......sehen mit Entsetzten was Geld und Alkohol anstellen.

Soweit ein kleiner Blick in andere Welten!
Übrigens, einem Bericht aus „The Australian" zu glauben ist Utopia eines jener Aborigine Gebiete mit der besten Gesunheits-Rate unter den Siedlungen. Einer Studie zufolge sind es „self-determinitaion" (Selbstbetstimmunt) und „hunting lifestyle" (Jagen) die großen Einfluss auf relativ gesundes Leben der Ureinwohner haben. Utopia besteht aus 16 verhältnismäßig kleinen „homelands" wo die elders mit ihrem Clan leben, jagen und malen, also vergleichsweise unabhängig leben können. Außerdem unterliegt das Gebiet dem „permit system" (Erlaubnisschein) für die Einreise und ist „dry area" (alkoholfreie Zone) - was nicht heißt dass nicht doch getrunken wird, allerdings „nicht außer Rand und Band". Communities die näher dem Highway liegen, sind da viel gefährdeter. Ich selbst habe in dem Artikel über Aurukun sehr gestaunt, dass es dort ein eigenes Pub gibt. Die „elders" wissen, es zu schließen wäre gut.....das würde aber den Kampf aller Kämpfe hervorrufen.
Ja und um auf Ostern zurück zukommen. Ich weiß, dass in vielen communities ebenfalls groß Ostern gefeiert wird. Immerhin war in 2000 in Mimili in den Pitjantjatjara Lands live dabei. Nachdem uns keine dieser Feierlichkeiten heuer zu Ohren kamen, gab es ein „normales" römisch katholisches Fest.
....übrigens......ca. 70 km östlich von Gemtree liegt Harsts Range, eine community, die alle 2 Wochen von den Zeugen Jehovas besucht wird. Das Auto macht immer Stopp in Gemtree und ich bin schon zwei mal in die jungen Mädels gelaufen, die da dabei sind, habe dann auch mit Pater Tank (80 jähriger Veteran auch Holland) geplaudert. Natürlich sind die Prediger ganz angetan von den Aboriginal People, denn sie können ihnen mit ihren Geschichten und schönen bebilderten Büchern (ich habe auch schon eines für Angas!) eine gute Aussicht für die Zukunft geben.....was....wenn ich die Wirklichkeit mit Arbeitslosigkeit, Nichtstun, Alkohol, Gewalt,....mir anschaue auch sicher stimmt.

So.....heute, am 1.4.2008 schreibe ich keinen Aprilscherz. Wir sind hier in Alice, um wieder in den Süden zu fahren. Ich bin schon neugierig wie kalt es da schon ist???? Immerhin haben wir schon Herbst, und die Nächte werden echt kühl.

Jedenfalls - liebe Grüße in die Heimat. Alles Gute.
Big Hug

Maria Shane Angas
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