Peterborough,
Sonntag, 10.5.2009, Muttertag

So schrieb Maria am 9.4.2009 (Gründonnerstag), von Red Gum Store

"Ein schönes und gesegnetes Osterfest!
Wir haben den ersten Frühlingsvollmond hier in Red Gum noch „voll" erlebt. Der Mond scheint jetzt gerade noch beim Fenster herein.
In drei Stunden sind wir auf und davon …. Ziel …. ? voraussichtlich Süden, Shane's Eltern. Doch es ist möglich, dass wir Ende Mai schon wieder ganz im Norden sind……aber dazwischen melde ich mich nochmals.

Möge der Easter - Bilby…..nein bei euch ist es der Osterhase, euch gute Sachen bringen.
Ich bin schon neugierig wo wir Ostersonntag sein werden. Wenn ich Glück habe sind wir gerade in Coober Pedy, zum Ostergottesdienst. Mal sehen. "

Ja und gestern Nacht haben wir den nächsten Vollmond hier erlebt, in Peterborough, ca. 300 km nördlich von Adelaide in Südaustralien, wo wir seit Ostersonntag abends bei Shanes Eltern im Haus wohnen. Pam und Ashley sind weitere 1.000 km nördlich auf der Farm von Shane's Bruder, wo sie regelmäßig aushelfen. Wir hüten Haus….und haben somit einen guten Platz zum SEIN. Eigentlich habe ich jetzt vier Wochen lang Sonntag gehabt und ich habe die Zeit so richtig genossen, weil viele Stunden Angas gewidmet waren und sind ….. und ich diese Zeit ohne schlechtes Gewissen mit ihm verbringe. Ich genieße sie, und er hoffentlich auch, wenn gleich ihm hier die Kinder ein wenig abgehen.
So aber nun der Reihe nach.
Unsere Zeit in Redm Gum Store war spannend, lehrreich und so fremdartig. Es waren acht arbeitsreiche Wochen, aber alle drei haben wir unsere neuen Erfahrungen gemacht und diese aufgesaugt. Für mich war es sehr spannend, mit den aboriginal people zu arbeiten. Eigentlich ist alles anders als in einem Geschäft bei uns. Wenn die Kunden da sind, dann bist du als Geschäftsführer König, denn das nächste Geschäft ist so und so mehr als eine Stunde entfernt. Du musst dann nur schauen, dass sie so viel wie möglich kaufen. Und wenn sie entweder Bargeld haben oder das Geld vom Income Management auf ihrer Einkaufskarte, dann geben sie das Geld gerne aus.
Bei manchen Kunden brauchte es oft 5 Transaktionen und mehr auf der Karte an einem Tag. Denn so wie ich im letzten Bericht beschrieben habe, dass viele Leute nur einen Gegenstand mit ihrem Geld einkaufen, bis das Geld weg ist, so handhaben es auch viele mit ihrem Geld auf der Karte („basics card"), die wie eine Scheckkarte funktioniert, solange Guthaben drauf ist. Wir mussten immer darauf Acht geben, dass die Notwendigkeiten erledigt waren, darauf haben wir die Leute immer aufmerksam gemacht: Mehl, Tee, Fleisch, Diesel bzw. Benzin. Denn nichts blöder als dass alles Geld ausgegeben war, und noch kein Treibstoff gekauft war. Und doch, oft mussten dann andere Kunden herhalten und haben für „ihre Verwandten" (denn nach Aboriginal Gesetz wird geteilt) bezahlen müssen. Verständlich, dass jeder sein Geld so schnell wie möglich ausgeben wollte.
Ein Ereignis ist mir auch noch sehr gut in Erinnerung. Don Onion hatte seinen Scheck eingelöst, sein „book up" haben wir abgezogen und somit blieben ihm noch cirka AU$ 150,00 zum Einkaufen. Die Dollar waren rasch verbraucht, und Don wollte auch noch eine Dose Tabak. Ist sich natürlich nicht mehr ausgegangen. Da hat er einfach eine Flasche Fruchtsaft
( AU$ 6.00) weggegeben und gemeint, jetzt kann er dafür eine Dose Tabak (AU$ 36,00) haben. Poor Don, das Konzept Geld war bei ihm noch nicht verankert, mehr das Prinzip Tauschhandel.
Was mich aber oft am meisten bedrück hat war die Tatsache, dass auch junge Menschen und Schulkinder so keine Ahnung hatten, von Geld und Tauschwert dessen. Auch das Telefonieren mit Centrelink und damit das Eingeben von Zahlen können / oder wollen / viele der jungen Generation nicht beherrschen.
Während unserer Zeit in Red Gum haben wir auch den Herbst ein wenig miterlebt, da wir drei Bäume vor unserem Haus hatten, die ihre Blätter verloren hatten, zwar nicht in der für uns so gewohnten Farbenpracht, aber immerhin war das ein Zeichen von Herbst (Eukalyptusbäume verlieren ihre Blätter nicht).
Ja und ich habe dann noch bis Montag, 5.4.2009 gearbeitet (Shane und Angas hatten zwischendurch zwei Tage „boys only" in Alice Springs) und dann ging es ans Packen. Immerhin hatten wir zwei Monate die Annehmlichkeiten eines Hauses genossen, viele neue Bilder erstanden und…..machen uns jetzt auf einen neuen Weg. Wir gingen das Packen langsam an …. Und am Karfreitag war es dann soweit, dass wir Red Gum verlassen hatten. Uns hat es gefallen….mal sehen, vielleicht war es ein Wink um Ähnliches zu tun. Wir haben uns bei „Outback Stores" (bezahlte Ausbildung, Training und „hands on" Zeit) beworben. Klang anfangs sehr versprechend, doch leider, haben sich scheints mehrere Paare mit mehr Erfahrung beworben, …. Bad luck. We have to wait for something else.

Wir waren also unterwegs von Red Gum nach Alice, mit kurzer Rast. Es war Karfreitag, und da ist in Australien alles geschlossen. Wir haben an der Grenze Nordterritorium - Südaustralien unser Lager aufgeschlagen um eine Nacht im Swag zu verbringen. Endlich wieder mal richtig Australien, Sterne, Mond, Sternschnuppen und Feuer mit Kochen. Was gibt es Schöneres. Karsamstag war ebenfalls „Reisetag". Um ca. 14.00 Uhr waren wir in Coober Pedy nur Zwischenstop. Wir haben gerade die „Air Show" des Opal - Festivals miterlebt…..Gottesdienst, auf den ich mich hier gefreut hätte war um 20.00 Uhr. Da hatten wir schon längst unser nächstes Lager südlich von Glandamboo aufgeschlagen und das australische Outback genossen, und wir hatten somit unser eigenes Osterfeuer. Übrigens Angas liebt das Feuer, er ist immer ein fleißiger Holzsammler und es ist klar dass wir dann „cooking at the fire" machen.

Ostersonntag sollte sehr wohl ein wenig „Ostern für Kinder" beinhalten, und es war einfach, einige Nester in Gottes freier Natur zu gestalten. Überraschungeier, Schokoladeeier, kleine Fahrzeuge, Easter buns (ähnlich unserer Pinze), ….. das war alles um unser Lager verstreut.
Ich habe zwar keinen Easter - Bilby gesehen - sind australische nachtaktive Beuteltiere, Größe einer Ratte, können also nicht sehr viele Ostereier in ihrem Beutel tragen - sind aber ausgewählt, den Easter rabbit zu ersetzten. Hasen gelten ja in Australien eher als Plage, eingeführt von den Engländern hatten die so niedlichen Nagetiere keine natürlichen Feinde, sodass sie sich schnell vermehren konnten und zur Landplage wurden. Sie gefährden den Lebensraum und Nahrungsraum der endemischen australischen Tiere. Somit die Idee des „Easter Bilbys", der den Osterhasen aber nicht wirklich ersetzten kann, denn immerhin sind Lindt und Milka und Suchard - aber natürlich in erster Linie Cadburry - auch in Australien vertreten. Und der Osterhase ist einfach die internationale Variante.
Den Sonntag selbst haben wir mit „bacon und eggs" am Campfeuer begonnen - und eigentlich waren wir beide soweit, dass wir den ganzen Tag einfach am Feuer im Lager verbringen wollten. Es gab genug für Angas zu entdecken - wie z.B. die kleine Spinne mit ihren riesigen Netzten knapp über dem Boden, die wir beobachten konnten, wir sie ihre Beute holt. Wir haben ihr ein paar tote Fliegen ins Netz gelegt und sie so aus ihrem Versteck im Boden gelockt.
Allerdings…..irgendwann am späten Vormittag war es uns allen zu viel - nein - nicht es - sie waren uns zuviel. Die unzähligen Fliegen die uns belagerten, und die einfach dein Gesicht nicht verlassen. Wir waren von den letzten zwei Monaten mit Klimaanlage etc. verwöhnt. Und so waren uns diese surrenden Gäste nicht wirklich willkommen, sodass wir uns gegen Mittags zur Weiterfahrt entschlossen mit einem kurzen Stop in Port Augusta zum Tanken (Alice Springs - Port Augusta am Stuart Highway sind 1.500 km), denn ansonsten war alles geschlossen, und dann Weiterfahrt nach Peterborough, 160 km, wo wir gegen 20.00 Uhr müde aber doch froh gelandet waren.
Dieses Jahr war's also nichts mit dem Ostergottesdienst. Kann mich gar nicht erinnern, dass ich diesen je versäumt hätte, aber … so war es dieses Jahr.
Peterborough (das einstige Petersburg) war ein wichtiger Bahnumschlagplatz für Schafwolle und Weizen. Über 100 Zügen pro Tag machten hier Stopp, um die Güter auf den Zügen den Spurbreiten der Bahn entsprechend zu verladen (3 Spurbreiten waren hier gängig -Breit- und Schmalspur und Normalspur), bis keine Stopps mehr nötig waren, und die Züge ab 1992 durchfahren konnten. Peterborough liegt an der Linie des Indian-Pacific (Verbindung Sydney - Perth). Heute ist der Ort, mit ca. 3.000 Einwohnern, geprägt von pensionierten Farmern der Umgebung (wie es auch Shanes Eltern sind) und Sozialhilfeempfängern. Unter ihnen viele Veteranen aus den Kriegen und junge Leute. Die vier Pubs sind noch immer offen - keine Ahnung wie sie überleben können! Peterborough hat noch eine funktionierende katholische Gemeinde und Kirche, wo am Sonntag um 11.00 Uhr Gottesdienst gehalten wird. Der Pfarrer kommt dafür aus dem benachbarten Jamestown (28 km, um einiges größer und wohlhabender). Kein Gottesdienst am Ostermontag.
Angas und ich haben unseren Ostergottesdienst am kommenden Sonntag nachgeholt, ist sicher okay so. Wir besuchen jeden Sonntag den Gottesdienst, und es ist schön zu sehen wie Angas fasziniert ist von den Liedern und den Figuren, er seine Kerze anzündet, bereits weiß, dass es da einen Korb gibt, wo wir Geld einwerfen, und manchmal sehr zufrieden ist, dass seine Katze so schlimm ist. Sein Schmusetier, eine kleine Kuschelkatze die er zu seiner Taufe bekommen hatte. Aber vergangenen Sonntag war sie besonders schlimm. Sie sprang von einer Bank zur anderen - und dafür bekam sie dann anschließend auch „mekka mekka", so einfach sehen Kinder diese Art wo ich mir dachte, oh bitte Angas bleib doch endlich ruhig sitzen. Aber wir sind ja Down Under - easy going country, auch in der Kirche. Und nachdem wir mittlerweile viermal den Gottesdienst besucht haben, kennen uns die Leute auch schon, was vieles einfacher macht. … und zum heutigen Muttertag war er besonders brav … und zu Hause gab es natürlich Muttertagsfrühstück und einen stolzen Angas mit zwei selbst gemalten Bildern. Am Abend sollte ich mit einem „roast" verwöhnt werden - an einem schönen Tag, und Gott sei dank mittlerweile fast wieder gesund, denn seit wir am Ostersonntag vor einem Monat hierher gekommen sind, war es kalt und hat es ziemlich geregnet, sodass wir alle verkühlt waren, mit Husten und Schnupfen, der scheint's nicht vergehen wollte. ….aber Gott sei Dank…..die Tage scheinen wärmer zu werden - noch immer nicht länger. Sonnenuntergang ist bereits um 17.30 Uhr…… Ich bin jetzt echt im australischen Winter, die Außentemperaturen zwar nicht so kalt wie bei uns. Wir bewegten uns um die 10° bis 15° Celsius, aber in den Häusern ist es kalt. Die sind gebaut „für" die Hitze. Kein Keller, kaum Isolierung, Heizstrahler, wenn du Glück hast offener Kamin - aber keine Zentralheizung.
Wir sind hier im Haus von Angas Eltern und es ist manchmal wirklich unwirtlich kalt.

Peterborough,
Sonntag, 31.5.2009
Happy Birthday mum!!!!!
Pfingstsonntag - Ostern ist somit zu Ende!

Erst heute, drei Wochen nach dem Beginn dieses Berichtes schreibe ich weiter. GRUND: Angas hat mich voll in Beschlag genommen, Kochen, viel Spazierengehen, lesen (was ich seit langem schon nicht mehr gemacht habe), lange Plauderabende mit Shane, ein bisschen PC Arbeit mit Gemälden und anderem …. Und auch Fernsehen und Zeitungslesen. Nachdem wir in der Zivilisation sind leisteten wir uns den „Luxus" von zwei Zeitungen täglich, und auch das braucht Zeit. Am TAFE, vgl. Volkshochschule, habe ich ein Programm für „Speed Reading" (self-guided!) gemacht…..und so blieb der Bericht meist im Kopf verankert….aber wurde nie geschrieben.
Shane ist im Moment „out bush", seine Eltern sind zurück….mal sehen, ob ich endlich alles unterbringe, was ich unterbringen will.

Für mich ganz spannend war Dienstag, 12.5.2009 - erster Kindergartentag für Angas. Wir zwei waren montags immer in einer „Spielgruppe", von 10.00 bis 11.30 Uhr, die im örtlichen Kindergarten (der nur Dienstag und Mittwoch geführt wird) untergebracht ist. Diese Gruppe tat Angas sichtlich gut, denn der Mangel an Kinder den wir hier hatten, der war beträchtlich. Unsere Ausflüge in den Park mit Teich, Enten und Spielplatz brachten uns manchmal zu Kindern - dank vieler Regentage und kaltem Wetter nicht sehr oft. Kindergarten in Südaustralien ist ab vier - aber da Angas „half-cast" ist darf er ab drei Jahre gehen. Regierungsprogramm - zur Verbesserung der Lage der Aboriginal People - „close the gap program". Somit darf Angas den Kindergarten besuchen. Spannend für mich ….. wie wird er aufgenommen, wie wird er sich verhalten …. Immerhin ist er neu in einer Gruppe, ist wahrscheinlich der jüngste…. All diese Sorgen der Erwachsenen waren in meinem Kopf, wohl wissend dass dies keine Probleme für die Kleinen sind.
Am großen Tag, Dienstag, 12.5.2009, 8.45 Uhr waren wir dann alle drei im „kindy" um Angas einzuschreiben. Es dauerte nicht lange, bis er mit andren Kindern fest im Spiel integriert war, sodass wir gehen konnten. Tanten, die hier „teacher" genannt werden scheinen prima, Belegschaft ist groß genug - also kann nicht wirklich viel schief gehen. Während des vormittags bekamen wir sogar einen Anruf, dass Angas ganz super ist. Tut gut. 11.30 habe ich ihn abgeholt. Als Cath in der Gruppe im Kreis meinte „We say now goodbye to a few kids, like to Angas", stand er einfach auf, winkte sagte „bye bye" and off he went.
Mittwoch blieb er dann bis 12.30 Uhr (mit Mittagessen, gesponsert - "healthy food" - ein großes Thema hier!). Ja und so ist unser „baby" jetzt schon groß!
Mittlerweile haben wir uns eingependelt auf Dienstag bis 12.30 (mit Mittagessen und Zähneputzen), Mittwoch bis 15.00 Uhr - d.h. er ja an diesem Tag keinen Mittagsschlaf (denn im Kindergarten ist alles viel zu spannend um zu schlafen) und somit ist sein Tag ein wenig durcheinander, was wir bis zum kommenden Dienstag wieder irgendwie hinkriegen.
Er geht gerne - auch wenn er mich in der Früh nicht gerne aus den Augen lässt. Aber sobald ich fort bin, spielt er mit den anderen Kindern und entdeckt täglich neue Bücher, Spielsachen, malt bunte Bilder, die wir zu Hause am Kühlschrank hängen….worauf er ganz stolz ist. Kindergartenfotos wurden auch schon gemacht….bin schon neugierig wie sie sind und vergangene Woche haben Mrs Cellery und Mr Vegie (ein Teil des Programmes „Gesundes Essen") den Kindergarten besucht. Angas liebte diese zwei Riesenfiguren (wie in Disney Land), doch als er um 15.00 Uhr ins Auto eingestiegen ist, schlief er während der fünf Minuten Fahrt ein, und rührte sich nicht mehr bis 17.00 Uhr.
Ich genieße die Zeit mit Angas und bewundere ihn, wie er zwischen unseren zwei Sprachen einfach hin- und herschaltet - auch wenn er mehr englische Wörter spricht, versteht er mich und meist spricht er mit mir dann doch deutsch und wird ganz zornig, wenn wir ihn nicht gleich verstehen. Lustig sind dann die Situationen wenn er mir englische Wörter lehrt (wie z.B. „No Honig - say honey!") und umgekehrt Shane deutsch lernt. Er versucht täglich neue Wörter und Sätze und kann sich bestens verständlich machen, was auch soviel heißt, dass er sich ziemlich bewusst ist, dass er mit der Sprache bekommen kann was er will, und sein Wille dürfte ziemlich stark sein. Ich denke mal, das ist ziemlich normal, immerhin muss er ausprobieren, was so alles möglich ist. Eines hat er noch nicht abgelegt vom letzten Jahr, er will sich noch immer nicht anziehen, was einfach war im Norden, aber wieder mal ziemlich schwierig hier im Süden, but we are getting there!!!!
Ja und seit Angas im Kindergarten ist, ist er ziemlich schüchtern geworden, etwas Neues, aber die gescheiten Bücher machen darauf aufmerksam, dass bei Veränderungen im Umfeld auch Veränderungen in der Psyche auftreten können. Also - accept it - und im Moment nach drei Wochen Kindergarten hat sich auch die Schüchternheit wieder gelegt. Er war auch so richtig Mama-bezogen und ein wenig „back to baby stage", auch was das Schlafen betrifft. Er genießt sein Bett so richtig. Ich denke mal, das ist alles okay. Denn allgemein würde ich sagen, fühlt er sich sehr wohl, liebt seine Rollenspiele mit seinen Tieren und den „little people", aber besonders mit mir. Angas ist Mami und Mami ist Baby. We have lot of fun in unserer „Höhle" unterm Tisch. What a good time. Erst heute habe ich zu ihm gesagt - „du kleiner Mann" und er meinte nur „no kleiner Mann - big one man".

Ja und was haben wir sonst noch alles gemacht, außer Haus zu hüten, Kochen, Kindergarten erleben, Enten füttern, in die Bibliothek zu gehen und zu lesen?
Natürlich gibt es in Peterborough dank seines „Railway Erbes" einiges zu erkunden. Wir haben das Eisenbahnmuseum besucht, wo einige historische Wagons des Indian Pacifics stehen, das Motorradmuseum, den Town Markt, die Kunstausstellung und haben einige Biere in den Pubs getrunken.

Einmal pro Woche haben wir so etwas wie einen „Ausflug" gemacht. Der erste war gleich nach unserer Ankunft. Shane ist ständig auf der Suche nach Autos. Da war dieses Angebot eines Farmers in der Nähe von Murray Bridge. Nach einigen Telefonaten wollte sich Shane das Auto ansehen. Wir pilgerten zeitig in der Früh in Richtung Adelaide, um dann durch das Barossa Valley nach Murray Bridge zu gelangen. Ca. 400 km, vier Stunden - und das an einem sehr kühlen, „halb verregneten" Tag. Ich selbst fühlte mich an diesem Tag mies, weil ziemlich verkühlt. Shane fuhr die ganze Strecke - 10 Minuten Auto ansehen - und wieder retour, mit Kurzbesuch in Adelaide bei Shanes Onkel. Hätte Shane gleich gewusst, dass dieser Station Wagen ein „Benziner" ist, dann wären wir nicht gefahren …. But this is Australia - 800 km um ein Auto zu kaufen - und es dann doch nicht zu bekommen.
Unser nächster „Ausflug" sollte uns nach Port Augusta zum Einkaufen führen - das sind nur 160 km - also 320 km hin- und retour - nothing! Aber bei strömenden Regen auch nicht so angenehm….doch diesmal konnten wir zumindest alles erledigen.
…. Und von nun an ging es bergauf. In der lokalen Zeitung wurden wir auf die Antikmesse in Burra aufmerksam, einer Kleinstadt am Weg nach Adelaide, ca. 80 km, in der wir nie Halt machen, dank einer Umfahrung. Ich wollte schon längst mal hin, und Antikmarkt klingt auch gut. Shane liebt alte Sachen, und für Angas gibt es da sicher auch reichlich viel zu sehen, zu spielen, ….???? Unser Ausflug war bestens. Burra selbst ist eine alte Bergwerksiedlung, die aber dank guter Lage von Äckern und Weiden auch fruchtbares Agrarland im Hinterland bietet. Die Gold- und Kupfermine ist längst geschlossen und zu einem Museum umgewandelt. Die wunderschönen Häuser, hergerichtet, gut erhalten und zeugen vom Stolz der Stadt einst und heute. Im Vergleich zu den vielen sterbenden Siedlungen hier ein Schmuckkästchen mit einladenden kleinen Shops, Cafes, kleinem Fluss, Spielplätzen, einem großen Campingplatz und einem Schulgebäude das an alte englische Privatschulen erinnert. Die Antikmesse war in der Town Hall - und die Stände waren wunderschön ausgestattet. Mich haben besonders die Glasschaustücke angesprochen. Vasen, Lampenschirme, Briefbeschwerer, ja und natürlich auch der Schmuck. Shane war von den vielen Abzeichen begeistert, und für Angas gab es eine Menge alte Spielsachen - leider nur zum Anschauen, nicht zum Angreifen und Ausprobieren - aber war schon okay so. Spielplatz, Enten, Live Musik am Marktplatz das hat ihn dann wieder entschädigt und es war herrlich ihn zu beobachten, wie er seine Scones mit hausgemachter Marmelade bestrich und genoss, und so nebenbei gab es da für Daddy und Mami auch noch einen super guten Kaffee.
Unser nächster Ausflug war für mich etwas ganz Neues. Ein „Drag Race". Keine Ahnung - konnte mir auch nichts vorstellen als Shane mir erklärte das sind diese superstarken V8 Motoren-Wagen die gegeneinander fahren. Puh - es war laut und hat gestunken - war aber lustig. Keine Spur von „ziehen" im eigentlichen Sinn. Zwei Wagen starteten gegeneinander auf zwei Fahrspuren und „zogen" einander quasi 500 m. Die Vorderreifen waren ganz schmal, die Hinterreifen dafür breit wie Traktorenreifen, und vor dem Start ließen sie die Reifen so richtig heiß laufen. It was fun, das Wetter war auch ganz schön und wir konnten bei diesem Ausflug auch gleich noch einkaufen, in Port Augusta. Das „Drag Race" war in Whyalla, der australischen Stahlstadt, ca. 100 km westlich von Port Augusta, am Spencer Golf, an der Küste. Shane war auch noch nie dort. Die Stadt selbst sehr sauber, mit schönen Wohngebieten - die Stahlwerke außerhalb, getrennt von einem Grüngürtel - aber natürlich riesig, mit direktem Hafen und Eisenbahnzugang. Außerdem hat Santons hier eine große Niederlassung um Erdöl zu raffinieren. Whyalla bietet Arbeit und so nebenbei gewinnt es immer mehr Bedeutung für Touristen, dort wo das Outback das Meer trifft und eine riesige Art Oktopus („Australian Giant Cuttlerfish") zum Brüten kommen. Die „Drag Races" waren etwas außerhalb der Stadt, „auf freiem Feld" bzw. bei der Anreise dorthin sind wir durch so etwas wie einer „Schrebergartensiedlung" mit Pferdekoppeln gefahren. Unwahrscheinlich, wie viele Grundstücke mit Pferden da waren.
Ja und schließlich und endlich waren wir dann auch noch in Adelaide zum Einkaufen und Verwandte besuchen - aber da ist die Zeit auch immer sehr beschränkt. Immerhin ist eine Strecke 300km, und Nachtfahrten mögen wir nicht gerne!!!

Also diesmal so ein ganz einfaches Leben, in einer Kleinstadt - für Städter bereits „Outback" für uns am Rande der Zivilisation. Anzac Day (25.4.) war hier sehr bescheiden. Die Erinnerung an die Veteranen, an die Schlacht bei Galllipolli, hoch gehalten in Australien, viel gefeiert mit Pomp und Aufmärschen. In Peterborough gab es natürlich auch eine Kranzniederlegung beim Kriegerdenkmal - zum Morgengrauen - (wir waren nicht dabei!!!! ). Auch das anschließende „gunfire Frühstück" (mit Kaffee und Bundaburg Rum) im RSL Club haben wir ausgelassen, ich kann mich aber noch gut an das Vorjahr erinnern, da war ich in Alice Springs und genoss den Tag.
Ja und da war noch etwas - Montag 4. Mai 2009 - Plastiksackerlverbot in Südaustralien. Einkaufen in Australien ist super. Bei der Kassa wird deine Ware gleich in Plastiktragtaschen verpackt, die dann im Einkaufswagen landen. Echt super. Nicht so nach dem 4. Mai! Keine Plastiktragtaschen mehr. Daher besitzen wir nun cirka 10 „grüne Taschen", die genauso wie die guten alten Plastiksackerl in dem Gestell bei der Kassa hineinpassen und eingeräumt werden. Mitnehmen muss man sie halt immer…oder neue kaufen, oder Papiertüten kaufen, oder Kartons mitnehmen etc. ….. und manchmal habe ich noch ein gutes altes Sackerl in der Tasche….um erstaunt gefragt zu werden, wo ich denn dieses her hätte.

Uns geht es hier gut.
Wir waren zwar etwas enttäuscht, dass wir nicht den Ausbildungskurs für „Outback Stores" mitmachen konnten. But that's kismet. Die Begutachtung meiner abgelegten Prüfungen zur Qualifikation einer Lehrerstelle ist auch noch nicht abgeschlossen. Neulich bekam ich ein email der TRB-SA (teacher's registration board in South Australia) die sich quasi entschuldigten dass das Verfahren so lange dauert, sie aber noch keine Fall aus Österreich zum Assessment hatten. Na ja….auch gut…..im Nordterritorium suchen sie noch immer Lehrer, und das neue Schuljahr beginnt erst am 25.1.2010. Ein wenig Zeit ist da noch. Wir haben uns daher entschlossen, dass ich im September nach Österreich komme, Landung in Wien am 13.9.2009 und wieder Workshops halte. Meine „Männer" kommen am 18. November nach und bleiben einen Monat. Ich werde voraussichtlich noch im Jänner einen Kurs in England besuchen - und das sollte sich dann genau ausgehen, dass ich zu Schulbeginn wieder Down Under bin. Mal sehen!
Bis zu meiner Abreise gehen wir wahrscheinlich wieder auf Reisen. Im Auge haben wir eventuell Lake Eyre - auch wenn das abseits unserer eigentlichen Reiseroute liegt. Doch am größten Inlandsee Australiens ereignet sich derzeit ein Naturschauspiel, das es nur selten gibt. Dank der großen Regenfälle in Queensland anfangs dieses Jahres hat sich das Wasser von der Ostküste seinen Weg durch die sonst mit Sand und Bäumen bedeckten Flussläufe gemacht und ist heuer bis zum Lake Eyre vorgedrungen. Die letzten Wochen vielen wieder viele mm Regen, und das Wasser bahnt sich weiter seinen Weg ins Land, in die Wüste. Dies hat zur Folge, dass 1000e Vögel Lake Eyre als Brutstätte nutzen. Es sind in erster Linie Pelikane die aus dem ganzen Land ihren Weg dorthin machen und riesige Kolonien bilden. Die Bilder im TV waren atemberaubend und wir würden beide gerne das Schauspiel sehen. Lake Eyre ist nicht weit weg von Peterborough, welches am Rande der Flinders Ranges liegt. Von Port Augusta aus ginge es hinauf in die Flinders, nach Marree und dann am Oodnadata Track zum Lake Eyre. Oder von Wilpena Pound aus könnten wir einen Flug über den See machen….aber eigentlich wollen wir in Richtung Westen, nach Kalgoorlie, der australischen Goldstadt um dann durch die Wüste in den Norden zu stoßen, eventuell nach Halls Creek, hinauf in die Kimberleys. ?????
Ja irgendwann werdet ihr wieder erfahren, was wir machen.

Wir sind selbst schon gespannt.
Ich möchte noch gerne zwei Filme erwähnen, die viele von euch vielleicht schon gesehen haben, oder darüber gehört haben.
„Australia" ( mit Nicole Kidman) lief Anfang des Jahres in Österreich an. Ich habe den Film noch nicht gesehen. Wahrscheinlich werden wir eine DVD kaufen, denn mit Kinos ist der Teil Australiens in dem wir uns bewegen nicht wirklich gut ausgestattet.
Aufsehen hat auch der Film „Samson und Delilah" gemacht, eine Liebesgeschichte zweier aboriginal Jugendlicher. Ich habe einen Trailer gesehen, nicht den Film. Ich weiß auch nicht, ob der in Österreich angelaufen ist, weiß allerdings, dass er in Cannes beim Filmfestival einige Preise eingehamstert hat. Ich bin schon neugierig, auf diesen Streifen, er dürfte ziemlich authentisch sein mit allen Plus und Minus der aboriginal communities. Ein heißes politisches Eisen. Die Zeitungen bringen immer wieder Berichte über die communities - wo die Probleme gewaltig sind.

Ja und noch eine ironische Bemerkung - fast zum Schluss meines Berichtes. Australien hat sein November 2007 eine „Labour" Regierung. Kevin Rudd und sein Team haben John Howard, „conservatievs" abgelöst. Anfangs Erfolg versprechend haben sie den Staat wie nichts in die roten Zahlen geführt … und immer wieder erscheinen Artikel über die Möglichkeit frühzeitiger Wahlen. Da denke ich oft an Österreich, und wie unsere „neue" Regierung handelt, gleichzeitig auch daran dass frühzeitige Wahlen doch nicht so außergewöhnlich sind.
Und vom Weltgeschehen kriegen wir hier auch einiges mit - Barack Obama, Afghanistan, Iran, Schweinegrippe, Nord-Korea …. Ständig in den Zeitungen und im TV - aber nichts über Österreich (außer dem Anschlag auf den buddhistischen Tempel in Wien), wenig über die EU, außer einiger Klatschspalten über Frankreich und Italien. Ich denke, in Europa selbst ist es hoffentlich ziemlich ruhig.

Ja und so ende ich heute, und hoffe, dass es euch zu Hause gut geht und ihr bald wieder Frühling und Sommer genießen könnt. Ich freue mich schon auf meine Heimreise, wenn gleich ich auch weiß, dass ich meine zwei Männer für zwei Monate alleine in Down Under lasse.
Ich werde mich schon noch vorher melden … grüße alle meine Verwandten und Freunde in Österreich und freue mich auf ein Wiedersehen, mit euch allen - besonders mit meinen Neffen und Nichten, mit denen ich vielleicht wieder einen gemeinsamen Kinobesuch schaffe, mit Mama und Papa, Brüdern,….und wen immer ich noch sehen kann. Und natürlich werde ich Australien von September bis Dezember wieder in die Schulen bringen - dann ist meine „Fernsucht" (oder mein Heimweh) nicht so groß.

Also dann…..bis zum nächsten Mal.
Dickes Bussi und liebe Grüße.
Maria, Shane und Angas

….und natürlich bin ich auf den Jahrgang 2008 gespannt … den ich nur von Faßweinverkostungen kenne.

Maria Schafler / Shane Baty
Dreamtime Sands
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