LEBENSBERICHT_01_2010, Mittwoch, 24_02_2010_Coober_Pedy

DAS WAR 2009:

„Am Freitag, 11.9.2009 fahre ich mit dem Bus von Coober Pedy um 19.30 Uhr nach Adelaide (11 Stunden) und steige in Adelaide am Samstag, 12.9.2009 um 12.30 Uhr ins Flugzeug, um am Sonntag, 13.9.2009 um 9.20 Uhr in Wien Schwechat zu landen. Mit der Zeitverschiebung von 8 ½ Stunden dazugerechnet bin ich rund 2 Tage unterwegs, werde dann ein paar Tage brauchen, um wieder den österreichischen (Schlaf)rhythmus zu finden und beginne meine Workshops ab 21.9.2009." (aus Lebensbericht 05_Coober Pedy_09_2009)

Ja und ich habe Workshops gehalten, alle Altersgruppen und Gott seien Dank (fast) alle zu meiner Zufriedenheit. Mir hat es gefallen und hoffentlich auch den KollegInnen und SchülerInnen in Österreich. Ich war in dieser Zeit ziemlich eingedeckt - nicht nur dass ich durch ganz Österreich reiste, auch die Termine und Inhalte mussten koordiniert werden und dort und da tat ein kleiner „update" meinen Workshops gut.
Natürlich war die Zeit in Österreich auch eine Zeit um mit Familie und Freunden intensiv Kontakt zu haben. Meine Mutter hat die Zeit genossen, wie auch ich. Sie verwöhnte mich mit gutem Essen und so verbrachten wir auch viele Tage miteinander. Meine Nicht Julia lag mir besonders am Herzen und ich habe die Ausflüge nach Wien - Stadthalle - Pferdeshow und Prater, Spanische Hofreitschule, Kino UCI und Essen, Besuch im Reitstall, etc. mit ihr genossen. Sie ist ein wunderbares Mädchen, ein Engel auf Erden, mit einem starken Willen. Es war natürlich auch schön mit allen anderen Neffen und Nichten Geburtstage und Weihnachten zu feiern. Für mich immer erfrischend zu sehen, wie sie alle gewachsen sind, sich zu reifen jungen Menschen entwickeln und in dieser Zeit des Beisammenseins ein starkes Bündel an Kraft, Energie und Freude zeigen. SCHAFLERHOF, Wein und mein Bruder waren ebenfalls ein Teil meines Seins in Österreich welches ich immer genieße. Die wunderbaren Herbsttage bescherten mir viele schöne Stunden in den Weingärten - wo ich mich immer zu Hause fühle, ich die reifen Weinbeeren genascht habe und natürlich auch unseren Wein verkosten konnte. Schön zu sehen ist, dass es Papa gut geht und er seit November wieder in Spanien weilt. „Good on you, mate" …. würden die Australier sagen.
Spannend war die Zeit der Arbeit an meinem neuen Vortrag für den 26.11.2009 im Fuhrmannsaal. Weingut SCHAFLERHOF war ein Teil davon, mit einer Weinverkotung von meinem Bruder und Shane und Angas sollten auch dabei sein. Ich habe mich riesig auf deren Ankunft in Wien-Schwechat gefreut - aber leider - sie sind nie gekommen. Angas hatte eine Ohrentzündung und konnte nicht fliegen. Shane hatte sich kurzerhand entschlossen, die Flüge zu stornieren und nicht zu reisen. Was ich verstanden- und nicht verstanden habe. Rückblickend war es wohl die beste Lösung - nur die Tatsache, dass wir 4 Monate getrennt waren war für uns drei nicht die optimalste Lösung. 2 oder 3 Monate - das wäre okay - aber 4 Monate war eindeutig zu viel. Wir haben daher viel telefoniert - besonders um die Weihnachtszeit - als Shane bei seinen Eltern in Petrborough war wo es immer ein Telefon gab.
Wie oft hat Angas gefragt, „Mami, you come back Peterborough. Angas wait da. Come back on the aropane (=aeroplane). Ama (= Oma) and Anja too." Wir haben viel gesungen und erzählt am Telefon. Manchmal hat Angas einfach zugehört. Manchmal hat er geweint und hat gemeint er ist traurig. Er hat aber immer bestätigt: „Mami you come back".
Drei Wochen Kurs in England sollten im Jänner auch noch rasch vergehen - wenngleich es ein anstrengender Kurs war und ich mir derzeit nicht sicher bin, ob ich denn die 3 Assignments wirklich schreiben will/soll? Ich denke - im Endeffekt werden sie schon fertig werden, es ist nur eine Frage des sich hinsetzten und sich konzentrieren. Was ich jetzt, da ich seit 4 Wochen wieder in Australien bin noch nicht geschafft habe. Derzeit bin ich sehr beschäftigt eine Anstellung zu finden. Noch vor Weihnachten bekam ich die „registration for teaching in the Northern Territory" und jetzt wühle ich mich von einer Stelle zur nächsten, um auch einen Posten zu finden. Es schaut nicht schlecht aus - zumindest werde ich am Montag mein Interview für „relief teacher" haben - dann kann ich zumindest „springen".


UND DAS IST 2010:

Am 24.1.2010 flog ich von Wien-Schwechat über Frankfurt, Singapore und Sydney, weiter nach Adelaide, wo ich am 26.1.2010 „Australia Day" landete und 6 Stunden bei Shanes Tante verbrachte um weiter mit dem Bus nach Coober Pedy zu fahren. Am MI, 27.1.2010 konnte ich um 6.00 Uhr früh, nach cirka 48 Reisestunden endlich Shane und Angas begrüßen. Es war eine große Wiedersehensfreude, wenngleich Shane meinte, Angas wollte gar nicht aus dem Auto aussteigen - wahrscheinlich war er sich nicht sicher, ob ich denn wirklich da war - denn vier Monate warten war schon sehr lange.
Aber das Eis war gleich wieder gebrochen - und Angas hatte mir so viel zu erzählen. Am Vormittag schlief er bald wieder ein (nach einer Rückenmassage die ihm sehr behagte und die er von Zeit zu Zeit sehr gerne hat!).
Es dauerte einige Zeit, bis wir uns wieder an einen gemeinsamen Rhythmus des Lebens gewöhnt hatten. Nach vier Monaten bedarf es wieder sich neu zu orientieren, neu richten, aufeinander zugehen, sich einschwingen. Vier Monate sind eine lange Zeit, das passiert vieles - und da gibt es viel zu erzählen und aufzuholen. Es war klar, dass diese „Hürde" für Angas sehr einfach zu bewältigen war. Er war sichtlich froh, dass ich wieder da bin. Anfangs hatte er ein wenig Angst, wenn ich wegging und er beim Papa blieb, ob ich denn auch wieder nach Hause käme. Aber das hat sich auch bereits gelegt, und mittlerweile besucht er mit Freude den Kindergarten, denn er weiß, Mami holt mich wieder ab!
Und es ist erstaunlich, was er in den letzten vier Monaten dazugelernt hat. Die vielen neuen Worte und Sätze purzeln nur so heraus aus seinem Mund. Seine Bücher liebt er, sowie natürlich seine Spielsachen. Und - Angas ist ein richtiger Bub - der gerne Superman und Batman spielt, schießt und läuft und laut ist. Pferderennen ist auch so ein beliebtes Spiel. Ich bin meist das Pferd und dank der Tatsache, dass wir in unseren Räumen rundumlaufen können, haben wir hier die perfekte Pferderennbahn, viele Plätze zum Verstecken, und Unmengen Kartons die Boot und Geschenk und Bus und Auto sind.
Eines Abends beim gemeinsamen Abendessen ist er da gesessen und hat gemeint, „Mami, Angas been missing you." - Ein Moment, der mir Tränen in die Augen steigen ließ.

Mein Körper brauchte einige Zeit, um sich hier wieder zu gewöhnen. Immerhin hatten wir in England Schnee und in Österreich war es mit -10 Grad zu meiner Abreise ziemlich kalt. Coober Pedy hatte um die 42° als ich angekommen bin. Bald ein paar kühlere Tage um St. Valentin mit Regen („nur" 35°) für mich noch immer heiß. Meine Seele hat sich außerdem auch Zeit gelassen, bis sie endlich nach 10 Tagen hier gelandet war.
Am 8.2.2010 feierten wir Angas' 4. Geburtstag. Ein Fest der Freude „Angas is a big boy now." Voll Stolz brachte er einen Kuchen und Kerzen mit in den Kindergarten, wo ebenfalls gefeiert wurde.

Coober Pedy ist noch immer okay. Da hat sich glaube ich nichts geändert - oh doch - das Swimmingpool ist jetzt offen, und wir besuchen es natürlich oft. Ich denke, das hat auch zu meiner „Verkühlung" mit beigetragen. Ich hatte das schon oft - nach langen Flügen, der Klimawechsel, Tageszeitwechsel (Sonne geht derzeit um 21.3 0 Uhr unter, Sommerzeit in SA) …. sodass ich gute 2 Wochen verstopfte Nase und Halsschmerzen hatte.
Nachdem aber vom 1. bis 5. Februar eine Schwimmlehrerin da war - nutzen wir die Chance. Angas hat zumindest keine Angst mehr im Wasser und ich denke, er wird bald schwimmen können. Schwimmflügel mag er keine - er wird es auch so lernen.
Manchmal machen wir einen kleinen Ausflug ins Land um die Opalstadt - und am Abend und in der Früh genießen wir das Vogelgezwitscher - und der Duft der Eucalyptusbäume der ist ohnehin besonders. Aber um hier so richtig anzukommen - dazu brauche ich noch ein Buschcamp, und Feuer und Sterne und Dingos und meine zwei Männer dabei und einige Nächte im Swag. Ich hoffe, der Osterhase (nein Easterbilby!) wird dies für uns bereithalten.
Ansonsten leben wir hier ziemlich zivilisiert. Die Bibliothek ermöglicht täglich (außer Samstag) freien Internetzugang, wir haben eine Apotheke, zwei Stores, viele Souvenirläden etc. Im TAFE (eine Mischung aus AMS und Volkshochschule) besuche ich derzeit einen Kurs für „Excell", kann nicht schaden. Am Sonntag gehen Angas und ich wieder in die katholische Kirche St. Peter und Paul (war die erste unterirdische Kirche in Coober Pedy) mit Aschenkreuz am Aschermittwoch. Angas freut sich auch, dass wir wieder in die Musikstunden gehen und oft in die Bibliothek, die nicht nur Internetquelle und Buchquelle ist sondern auch viele Videos und Spiele zum Ausborgen bietet.
Am Valentinstag habe ich den wahrscheinlich schönsten Blumenstrauß der in Coober Pedy erhältlich war bekommen. Frischware wird in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag angeliefert, auch Blumen. St. Valentin war an einem Sonntag. Am Samstag haben die Blumen in diversen Geschäften schon sehr mitgenommen ausgeschaut - am Abend waren keine mehr erhältlich. Und siehe da - ich bekam am Sonntag einen wunderschönen Strauß. Shane verriet mir, dass er ihn im Kühlhaus von Lucas' Store „Zwischenlagern" ließ, mit der Option erst am Sonntag zu holen. So wirkte die bunte Mischung an Blumen noch ziemlich frisch und fein.
„Junky Monkey" besuchen wir ebenfalls sehr oft (DIE Altwarentandlerin in Coober Pedy, gebürtige Kroatin) - sie hat uns mittlerweile zweimal zum Essen eingeladen. Es gab Krautrouladen und Topfenstrudel dann Ritschad und Palatschinken. Beides kein Sommeressen, aber sehr europäisch. Zu Hause bei uns gibt es meist „roast" (sehr australisch) oder wenn ich koche viel Gemüse in diversen Varianten.
Fast hätte ich mir „Avatar" im Autokino angeschaut - Junky Monkey's Einladung war dazwischengekommen! Aber diesen Samstag wird sich Shane „Sherlok Holmes" anschauen - habe ich bereits in England gesehen.
Besonders interessant für Angas war der Besuch bei der Feuerwehr. Zum Tag der offenen Tür gab es Demonstrationen …. Mit Wasser, mit Schaum, mit einem Wasserreservoir zum Schwimmen, Bratwürstel, echte Feuerwehruniformen,….wie bim „Feuermann Sam!"

Natürlich habe ich das Haus geputzt und alles wieder in Ordnung gebracht - muss aber sagen, Shane hatte alles im Griff. Und die meiste meiner Zeit verbringe ich mit Angas bzw. am PC - auch der Jobsuche wegen.

Ja und bevor ich vergesse - ich habe auch einige Zeit gebraucht, mich wieder an die Langsamkeit in Australien zu gewöhnen, mittlerweile alles okay, und ich genieße einfach Zeit und Raum.
Heute Mittwoch gibt es wieder „Kommissar REX" im Fersehn - heute in Italienisch (mit englischen Untertiteln) weil es „Rex in Rome" spielt. Zweimal gab es „Rex" auch schon auf Deutsch (mit Englischen Untertiteln).
Angas spricht noch immer nicht deutsch - aber er versteht so ziemlich alles….das ist auch okay, und so manchmal kommen dann doch die deutschen Wörter - auch mit Erklärungen. Heute beim Abendessen hat er gemeint: „Potatoes are hot mummy". Worauf ich gesagt habe: „Dass musst du gut blasen, damit sie auskühlen." „No, Mummy, not hot. Is scharf", war die Antwort. Not bad.
Übrigens….eine kleine Anekdote noch zum Schluss:
Als ich in Coober Pedy angekommen war, gab es am 27.1.2010 natürlich auch noch einige Weihnachtsgeschenke: ferngesteuerter Helikopter, Snowboard shirt, Weihnachtsbuch, kleine Weihnachtstasche mit Santa Claus Handtuch („Angas see merry Chistmas on the roof!") und da gab es auch diese Kerze in der Form eines Schneemannes (bei mehr als 40° Hitze!) mit einer Karottennase. Die Kerze wechselt Farbe …. Das war und ist ein Hit! Wir müssen nach wie vor das Licht abdrehen, damit wir täglich beim Essen die Farben bewundern können. Und ich warte nun, bis wir hier endlich einen Schneemann bauen können. Karotten haben wir genug - und jedes Mal wenn Angas eine Karotte sieht oder isst heißt es „We nedd carotte for snowman." Aber ich denke, da muss er warten, bis wir wieder mal in Österreich sind.

Fürs erste jedenfalls….liebe Grüße von uns drei. Bis zum nächsten Mal. See you und alles Gute.
Maria, Shane und Angas.
P.S.: Mein Bruder hat den Heurigen bald wieder offen.
Mittwoch, 24.3. bis Ostermontag, 5.4.2010, täglich ab 16.00 Uhr, Sonn- und Feiertage ab 11.30 Uhr (Osterbrunch am 4. und 5. 4. 2010) und Faßweinverkostungen um 20. 00 Uhr /
Sonntag um 18.00 Uhr - mit Besuch der „Australian Corner" im alten Fasskeller.
Weingut SCHAFLERHOF, Traiskirchen, Wienerstraße 9-11, Tel.: 02252/52 3 78,
wein@schaflerhof.at