Borroloola, Donnerstag, 27.05.2010

BORROLOOLA und mein erster LEHRERPOSTEN in AUSTRALIEN

Mein Bericht 02 hat bereits einen ersten Einblick in das Schulleben in Borroloola gegeben und endete mit meiner Fahrt nach Coober Pedy am Osterwochenende - Beginn unserer Ferien, Ende des 1. Semesters.
Ich habe Borroloola am Karsamstag um 6.30 Uhr morgens verlassen und war am Ostersonntag um 18.30 Uhr glücklich in Coober Pedy gelandet, 2.000 km entfernt - gereist mit dem Greyhound Bus - wo ich auch gut schlafen konnte.
Easterbilbys habe ich unterwegs keine gesehen - kein Wunder - es sind nachaktive Beuteltiere - und sie sind vom Aussterben bedroht. Aber ich denke zu Hause in Coober Pedy hat der Osterhase schon einige gute Sachen gebracht - zumindest für Angas. Ich war ein wenig enttäuscht, dass ich das Opalfestival in Coober Pedy und den Ostergottesdienst verpasst habe - but that is life. Ohne Hochwasser wäre ich noch zu einem Umzug, Feuerwerk, Grillfest, Airshow, Opal-Messe und Auferstehungsprozession in Coober Pedy gekommen.
Nichts von alldem - aber meine Männer warten auf mich mit einem kleinen Ostergeschenk von Angas, im Kindergarten gemacht und viel Freude mich zu sehen. Angas hat am Telefon schon gesagt: „Mia you come back Coober Pedy. Angas wait here. You come on the greyhound bus."
Während der folgenden Woche hatten wir einiges zu erledigen - Bank und einkaufen und emails, Kindergartenabschluss, Besuch bei Junky Monkey und Wäsche waschen und natürlich viel SPIELEN!!!!! Messe in der Kirche gab es während dieser Woche keine - da der Priester auf Tour im Zentrum war. That is life. Wir genossen unsere Zeit - die leider viel zu schnell verging. Glücklicherweise bin ich noch zu einem „neuen" Auto gekommen. Das Privatauto unseres Mechanikers in Coober Pedy. Ein echter „Buschbomber", verbeult aber mit einem guten Motor. Und Jeff wusste, dass mich dieses Auto sicher die 2.000 km entfernt nach Borroloola bringen muss, da ich selbst keine Ahnung von Autos habe. Dies tat dieses Wunderauto auch ohne Probleme.

Leider musste ich meine zwei Männer nach kurzem Besuch wieder verlassen. Angas meinte: „Mum Angas wait da Coober Pedy. You come back!" Doch ich hoffe sehr, dass meine zwei bald nach Borroloola kommen - doch gleichzeitig weiß ich, dass dies noch ein wenig dauern wird, da Shane am 19. Mai 2010 noch einen Termin in Coober Pedy hat - und er zwischendurch noch ein Auto in Adelaide kaufen will - doch dazu ein wenig später.

Ich also trat meine Reise am Donnerstag, 8.4.2010 um 13.30 an. Ziel Coober Pedy - Alice Springs, 700 km. Dies sollte einfach zu erreichen sein bis zum Abend, zumal die 700 km am Stuart Highway nicht zu vergleichen sind mit 700 km in Europa. Verkehr - reichlich wenig. Und ich fahre gemächlich mit meinen 90 km/h in Richtung Norden. Als ich Coober Pedy verlassen hatte war es bewölkt, aber es regnete nicht. Gutes Reisewetter - es war nicht heiß. Angenehm. Doch da war diese Wolkenwand vor mir die sehr dicht war - und der riesige Regenbogen. Ich wusste irgendwo im Norden regnet es. Ich durfte auch ein wunderbares Schauspiel erleben. Blitze über Blitze die die geballten Wolken zerteilten. Ich genoss diesen Anblick wie ein Theater. Ich machte allerdings die Entscheidung dass ich in Alice Springs in einem Motel Unterschlupf finden will und nicht wie ursprünglich geplant ein „bushcamp" mache. Aber so weit sollte es gar nicht kommen. In Erldunda - ca. 300 km südlich von Alice (Abzweigung zu Uluru) überlegte ich kurz ob ich dort übernachten sollte - denn zwischendurch hatte ich auch ziemlich starken Regen und die Pfützen um das Roadhouse zeigten mir, dass es auch hier ziemlich stark geregnet haben musste. Es war Sonnenuntergang - ca. 18.00 Uhr - und ich entschloss mich noch die 200 km bis zu Jimm's Place zu fahren um dort zu übernachten, denn das Schauspiel der Blitze im Norden fuhr weiterhin fort und ich war fasziniert, müde war ich auch noch nicht - und somit dachte ich, ich kann einfach noch ein paar Kilometer in Richtung Alice machen - wo am Freitag ein dichtes Einkaufsprogramm hatte.
Irgendwann ca. 40 km vor „Jimm's Place - Stuart Wells Roadhouse" war dann meine Reise zu Ende. Plötzlich fuhr ich ohne jegliche Vorwarnung durch massive viel Wasser, und nach dieser „Pfütze" standen alle Autos. Es muss hier soviel geregnet haben, dass der Stuart Highway für viele unpassierbar wurde. Ein Greyhound Autobus stand sogar da …. Sodass mir klar war, dass ich mit meinem 4WD auch nicht weiterfahren sollte. Es waren normal kleine Autos hier, Autos mit Wohnwagen, der Bus, Stationwagons,….die einzigen Fahrzeuge die durch die Wassermassen kamen waren die roadtrains. Ein Ehepaar aus Darwin kommend berichtete dann auch über die Situation - und meinten es ist riskant die Fahrt zu wagen, da das Wasser einfach hoch ist, wahrscheinlich auch zu hoch für 4WD. Die Frau nahm einige Telefonnummern entgegen (da wir natürlich keinen Empfang hatten wo wir waren) und Shane sagte er bekam wirklich um 22:30 Uhr einen Anruf mit Lagebericht….er hatte sich bereits ein wenig gesorgt.
Mein Entschluss stand fest - ich übernachte im Auto. Irgendwann mitten in der Nacht bin ich aufgewacht - sternenklarer Himmel - endlich wieder Outback - und viele der Autos sind abgefahren - ich habe das im Schlafen nicht einmal mitbekommen. Ich selbst habe mich allerdings entschlossen bis zum Morgen zu warten. Wer weiß, welche Hindernisse da noch vor mir liegen????
Und um 7.00 Uhr bin ich gut ausgeschlafen aufgewacht und habe mich auf den Weg nach Alice Springs gemacht. Das Wasser auf der Straße war verschwunden - doch vom Bankdirektor in Alice sollte ich erfahren, dass er an Abend zuvor die 500 km von Tennant Creek in einem nicht aufhören wollenden Regenguss gemacht hatte - und der Todd River war wieder einmal überflutet. So viel Regen wie heuer hatte Alice schon lange nicht - auch nicht so viele Heuschrecken und Stinkkäfer. So war ich doch noch gut in Alice Springs gelandet. Und habe mich ins „Einkaufsvergnügen" gestürzt. Denn….ich wusste es wird einige Zeit dauern, bis Shane und Angas kommen, und jeden Dollar den ich hier ausgebe erspare ich Geld in Borroloola…denn die Märkte dort sind teuer. Ich lade das Auto voll mit Dosen, Nahrungsmittel, etwas Obst und Gemüse. Neues Gewand finde ich im Ausverkauf ebenfalls reichlich sowie ein paar besondere Nicknacks für den Busch. Das Telefonat mit Shane und Angas baut mich nicht sehr auf - denn wie schon so oft vermisst mich Angas und er hört nur meinen Liedern zu ohne zu lachen oder mit mir zu sprechen. Von Shane weiß ich, dass er wieder mal protestiert und weinerlich ist….aber….das wird sich wieder legen - und in den kommenden Wochen lachen und singen wir viel am Telefon. Es regnet wieder in der Nacht und ich bin froh, dass ich in einem Motel untergebracht bin und nicht im Freien campiere. Samstag ist noch immer shopping angesagt und gegen Mittag fahre ich ab - in Richtung Norden. Ich fahre an diesem Tag durch Regen und durch Landschaften, die ich schon lange nicht bereist habe. Die Wüste des Zentrums weicht dem Bild der Savanne. Es wird grüner und grüner und die Termitenhügel die nördlich des Wendekreises des Steinbockes ihr majestätisches Dasein Zeigen bewundere ich wie zum ersten Mal auf meiner Reise durch den Kontinent. In Tennant Creek 500 km nördlich von Alice tanke ich auf und beschließe weiterzufahren. Sonnenuntergang und diese wunderbaren Hügel die aus dem Nichts auftauchen erlebe ich in Three Ways ( wo ich die kürzere Route nach Borroloola über Barkley Homestead wählen könnte )- und um Elliott . Ich bleibe am Highway, das ist die sichere Route - weil einfach mehr Verkehr ist - im Falle dass mein Auto schlapp macht - was nicht so aussieht
Ich fahre weiter und beschließe für mich selbst in Dunmarra zu übernachten. Guter Entschluss. Netter Campingplatz, wo ich zum ersten Mal auf meiner heurigen Reise im Freien übernachte. Im Roadhaus genieße ich einen Barra Burger und zwei Bierchens, habe ein nettes Gespräch mit dem Eigentümer und genieße die Nacht unter den Sternen. Am nächsten Tag sind es nur mehr 300 km zur Abzweigung bei Dally Waters. Nachdem ich gut in der Zeit liege besuche ich das alte Pub in der Nähe des ersten Airstrips von Qantas im NT , der später im Krieg gute Dienste tat und heute für Besucher noch immer ein Anziehungspunkt ist. Mehr noch ist es das Dally Waters Pub …. Ein echtes Buschpub mit einem „Thong Tree", Vistikarten, Geld, Unterhosen, BHs aufgenagelt und aufgehängt….so wie das in den Busch Pubs üblich ist. Echt nett hier - mit Unterhaltungsmusik an den Wochenenden. Ich hoffe, wir schaffen einen Ausflug hierher mit Mama - wenn sie uns besucht.
Von Dally Waters sind es dann noch 400 km nach Borroloola - eine kurze Strecke - mit faktisch keinem Verkehr. Ich glaube ich bin 5 Autos begegnet. Die Überschwemmungen vor einer Woche haben ihre Spuren auf der Strasse mit riesigen Schlaglöchern hinterlassen. Aber es ist eine schöne Fahrt und mir wird immer mehr bewusst, dass ich in den Tropen bin. So grün, so üppig und so viele Vögel, abgesehen von den riesigen Termitenhügeln. Kurz bevor ich gegen 16.00 Uhr in Borroloola einfahre - das Heartbreakhotel, Cape Crawford, liegt bereits hinter mir, werde ich von der Polizei aufgehalten. „Have you been drinking?" „Yes, lots of water!" Nichts desto trotz muss ich den Alko Test machen - all okay und ich bin um 17.00 Uhr „zu Hause". Bereit für den nächsten Schultag. Ich räume nichts aus - denn ich sollte bald in ein neues Haus übersiedeln. Am Montag bekomme ich dafür die Schlüssel und am Dienstag bin ich in meiner/unserem neuen zu Hause. Cirka 1.000m2 Grund mit wucherndem Gras und einem netten Haus. Ich fühle mich sofort wohl - und außerdem ist es sehr sauber, im Vergleich zu dem anderen Haus, das echt schmutzig und abgewohnt war.
Ich genieße die Vögel am Morgen - und leider habe ich sehr laute Nachbarn - manchmal spielt die Musik (echt laut!) die ganze Nacht. Sie schlafen dann scheint's während des Tages - aber ich muss dann auf und in die Schule.
Dieses 2te Semester hat mit viel Neuem begonnen. Ein neuer Direktor, bald kommt ein neure Co-Direktor - beide sind okay und verstehen ihr Handwerk. Und da kommt auch Kelly, eine Lehrerin mit 21 Jahren Buscherfahrung. Sie ist ein Engel und ein wandelndes Beispiel und Vorbild. Ich kann mir viele Tipps von ihr holen, denn das Schulleben hier ist sehr wohl etwas anders als in good old Austria.
Für mich gab es auch einige Änderungen - im Doppelpack - und meine Aufgaben in der Schule wurden einfach hin- und hergedreht. Mittlerweile bin ich seit 4 Wochen die Bibliothekarin und halte (neben anderem) auch Bibliotheksstunden, in denen die SchülerInnen den Umgang mit Büchern, die Archivierung, Themen, etc. lernen. Macht mir echt Spaß. Ich war zwar drei Wochenenden mit dem Aufräumen der Bibliothek, mit sortieren und Schlichten beschäftigt - doch jetzt schaut dieser Platz sehr schöne aus und viele der SchülerInnen kommen auch gerne in die Stunden. A time to relax!
Das Schulsystem und vieles ist natürlich anders, und Schulen mit einem fast 95% Anteil an aborigine Kindern sind so und so anders. Aber…es gibt wie in jedem Schulleben die highlights …. Und für die lohnt sich die Arbeit.
Die Schüler selbst sind sehr wild - Regeln, Respekt etc. gibt es in ihrem Normalleben außerhalb der Schule in den meisten Familien keine - und somit ist dieser Platz für sie einfach eine andere fremde Welt mit „whitefella" - denen so und so kein Respekt gezollt wird. Dank der Assistant teachers (einheimische Frauen) funktioniert dann der Unterricht aber trotzdem, denn diese Frauen sind die Institutionen der Klassen. Sie kennen die SchülerInnen und ihre Familien….und haben unwahrscheinlichen Einfluss in Sachen Respekt. Was nicht bedeutet dass manchmal „die Fetzten fliegen". Die viele Aggression, der Zorn, die Wut die in manchen SchülerInnen steckt und dann oft ganz plötzlich ausbricht ist geballt. .. und die Kinder kenne keine andere Art als Gewalt mit diesem Zorn umzugehen.
Ich muss mir dann immer vor Augen halten, dass diese Kinder zu Hause keine Richtlinien und Unterstützung wie unsere Kinder haben, dass vielen Familien Alkohol und Gewalt zum Alltag gehören und die Erziehung „whitefella way" nichts mit der ursprünglichen Erziehung „bleckfella way" zu tun hat.
Und mit kleinen Schritten des aufeinander Zugehens werden die Tage in der Schule besser. Seit ich von Kelly gehört habe, dass dies eine der schwierigsten Schulen ist, die sie je gesehen hat - bin ich wieder beruhigt. Es kann nur besser werden.

Meinen Entschluss hierher zu kommen habe ich nicht bereut - denn die Herausforderung und Aufgaben sind vielfältig und immerhin war es mein langersehnter Wunsch in einer Community zu unterrichten und zu sehen, wie ich damit zu recht komme.

Es sind ja nicht nur die Schüler die mir zu Schaffen machen, es ist auch das System das so ganz anders ist als bei und. Und der Lehrplan des Northern Territory - der ist vielleicht gewöhnungsbedürftig. Alles mit Fähigkeiten definiert. Keine konkreten Themen etc. Ich war darin völlig verloren, und dachte, selber schuld…..wenn du aus Österreich kommst und glaubst vieles ist zumindest ähnlich wie bei uns. Zu sehen, dass Kolleginnen aus anderen Bundesstaaten genauso Probleme haben mit diesem Wunderwerk ließ mich schmunzeln. Australien leistet sich ein sehr kostspieliges Schulsystem. Jeder Staat seine eigenen Regulativen und die sind SEHR voneinander verschieden - 7 total unabhängige Systeme - und das für insgesamt 21 Millionen Menschen. Ich konnte das nicht glauben.
Derzeit wird schwer an einem einheitlichem System für ganz Australien gearbeitet - ist spannend für mich, das mitzuerleben, denn im nächsten Jahr soll es angeblich viele viel Änderungen und Neuerungen geben. Daher habe ich mich entschlossen, nicht zu sehr in die Tiefe zu gehen, mit dem NTCF (Lehrplan für NT) -ab Jänner 2011 ist so und so alles anders….wenn die Papiere und Genehmigungen etc. rechtzeitig fertig werden. Mal sehen.

Auf Grund des „outcome based" Lehrplanes haben wir keine Bücher, denn jeder SchülerIn wird auf ihrem/seinen eigenen level unterrichtet und beurteilt. Diese Levels sind genau definiert und die Beurteilung erfolgt quasi mit einer „Checkliste" (seitenlange Erklärungen!!!!) . Kommt mir sehr eigenwillig vor - obwohl - natürlich die Grundlage hinter der Idee „Lernen Lernen" heißt - sicher eine tolle Sache für SchülerInnen die von zu Hause gefördert werden. Aber nicht für unser Klientel. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie sich alle bereits auf die Neuerungen freuen. Wobei gleichzeitig die Unsicherheit mitschwingt - ob dies denn dann wirklich gute Neuerungen sein werden.
Eines musste ich natürlich auch feststellen - Arbeit ist unterrichten genug - aber das ist es auch in Österreich - wenn du up date und am Ball sein willst. Unser guter alter Beamtenstaat gibt uns allerdings noch immer ein paar kleine Schlupflöcher. Hier wählen die Schulleiter ihre Lehrerteams aus! Bei einem Ansuchen müssen drei Referenten angegeben werden - und ich hatte vor meiner Anstellung auch mein erstes Interview. Ich kann mich erinnern, dass es in Österreich einst die Debatte gab, dass Schulleiter ihre Lehrer selber auswählen - jetzt bin ich in diesem System tätig - haben sicher Vor -und Nachteile - wie alles im Leben.

Unser Schuljahr ist in 4 TERMs zu je 10 Schulwochen eingeteilt. Anwesenheit in der Schule ist von 8.15 bis 15.00 Uhr - wobei der Unterricht um 14.30 Uhr endet. Ich habe bereits in meinem letzten Bericht angedeutet, dass ich release work mache, d.h. jene Zeit in den Klassen abdecke, in denen der Klassenlehrer Zeit für Benotung, Vorbereitung, Beurteilung etc. hat. Dies sind in der Regel 3 Einheiten pro Woche. Die Regelung ist aber nicht so eindeutig wie bei uns. Manche Lehrer haben mehr, manche weniger, etc. Wenn diese Zeit auf Grund von Krankheit etc. entfällt - PECH gehabt. Extraentlohung gibt es keine. Und manche KollegInnen haben auch mehr freie Zeit ….. der Schulleiter kann dies festlegen. Haben ziemlich machtvolle Positionen hier, die Schulleiter und CO-Direktoren.
Ja it is full on….aber….es ist auch schön….denn manche der Kinder sind echte „sweeties" - und ich denke mal, es ist schon gut was ich hier mache….denn dieses Leben zwischen den Zeiten und diese für unsere Verhältnisse instabilen Familienverhältnisse sind halt anders. Andererseits ist die Großfamilie für die Kinder da und aunties und grannies haben großen Einfluss. Ein Teil unseres sich hier Niederlassen (wenn wir das wollen!) wird darin bestehen, diese wichtigen Familienmitglieder kennenzulernen - sodass die SchülerInnen auch wissen - You know them and they cannot escape.

Einen Teil dieser Arbeit habe ich bereits geleistet mit einigen Assistant teachers. Außerdem besuche ich am Sonntag immer die Messe. 9.30 Uhr - Gottesdienst in einem „tinshed" schön hergerichtet wie eine kleine Kirche mit wenigen Besuchern - aber immerhin - vielen Kindern die zur Sunday school kommen - und hier mit den teachern genauso viel Lärm machen wie in der Schule.
Mit der Kongregation bin ich mir nicht sicher was dies ist - Inland Mission Church - mehr evangelisch, lutheran, ????? jedenfalls katholisch - halt nicht römisch-katholisch, denn Kommunion gibt es hier keine. Das wird Angas verwundern.
Der Priester ist ein ansässiger Aborigine - der seine Predigten sehr gut macht, vom Herzen kommend. Außerdem gibt es einen Gitarrespieler und Musik. Ich liebe diese Sonntagmorgen - und so ganz nebenbei werden Kontakte geknüpft. Letzten Sonntag habe ich über das riesige Wissen von Clara, einer unserer Assistant teachers in Sachen Buschmedizin erfahren - not bad - and she is determined to pass that on to her granddaughter - and she will.
Vor oder nach der Messe fahre ich gerne zum Fluß, McArthurer Rver, der eine ordentliche Überquerung aufweist mit einem 6m hohen Zeichen für „floodways" - glaube ich aufs Wort nachdem ich die Wasser zu Ostern erlebt habe. Allerdings ist ein der vier Sprachgruppen (die Garawa people) auf der anderen Seite des Flusses, und die sind bei Hochwasser von dem Ort abgeschnitten. Nächste Siedlung ca. 300km in Queensland.
Seit drei Wochen sind Bautrupps unterwegs und es wird eine Brücke gebaut. Leider sind auf Grund des Baulärms und der vielen Tätigkeiten jetzt nicht mehr so viele Vogelstimmen zu hören wie zuvor. Denn Sonnaufgang am Fluss war immer super schön. Am langen Maiwochenende war ich bei dieser Furth (ist es eigentlich) - und belohnt wurde mein Ausflug mit dem Anblick von hunderten Schwarzen Rotfedernkakdus in einer Baumlichtung, die mir im Sonnenlicht ihre leuchtend roten Federn zeigten und über meinem Kopf schwirrten. Es war dies das Wochenende an dem ich diese riesige Schlange auf der Straße gesehen habe, die gerade ein Tier verschlang. Wir haben hier Pythonschlangen - aber natürlich auch die giftigen Tiere. Und gerade jetzt nach der Regenzeit kommen sie heraus. Als ich nach den Osterferien zurückkam dachte ich die Regenzeit ist vorbei - aber es dauerte heuer unheimlich lange (laut Auskunft der Einheimischen) bis die Schwüle und auch der Regen verschwand - und jetzt Ende Mai ist es noch immer schwül und heiß, aber es regnet nicht mehr, die Nächte werden kühler und angenehmer und Morgennebel der Trockenzeit zeigen sich.
Meine ersten Wochen im neuen Haus verbrachte ich mit einer Kollegin die in der high school unterrichtet und aus Perth ist. Es herrscht ein wenig Not an Häusern hier - und für Lyne gab es keine Herberge. Das Haus das ich vor den Ferien bewohnt hatte musste erst hergerichtet werden - und somit hatte ich für 4 Wochen eine Mitbewohnerin - was natürlich Vor- und Nachteile hat. Aber wir sind gut ausgekommen - ich habe allerdings die Zeit die ich dann alleine im Haus verbringen konnte genossen. Am langen Wochenende des Anzac Days war ich nicht nur bei der Anzac Day Feier zum Sonnenaufgang im „Park" von Borroloola (Erinnerung an die Schlacht bei Gallipoli, WWI), wo einst das Postamt stand sondern wir fuhren am Sonntag auch nach King Ashe Bay. Ein Paradies für Fischer die aus ganz Australien hierher kommen um in erster Linie Barramundi zu fischen - neben vielen anderen leckeren Fischen. Lyne und ich waren baff erstaunt über die Ausmaße des Campingplatzes und den Enthusiasmus der Fischer die ab 15.00 Uhr eintrafen um ihre Trophäen zu wiegen … und auf ihren Preis zu warten. Ein buntes Treiben dass ich genossen habe. Und so ganz am Rande habe ich ein Wenig der Umgebung kennengelernt. Eine kleine Fahrt hinaus von King Ashe Bay brachte uns zu vielen Fischerhütten und Häusern und natürlich auch Land der Aboriginal people. Wie witzig war es zu sehen - den humpi mit Baumstämmen aufgebaut und die SAT Schüssel am Rande. Ich musste Lachen.
Das Wochenende des 1. Mai war ebenfalls ein langes - allerdings verbrachte ich dieses meist in der Bibliothek zum Aufräumen. …. Und was ich Tag täglich in der Früh genieße sind die vielen Vogelstimmen beim Erwachen des Tages…..und ich freue mich schon jetzt bald wieder einen Brolga, einen Buschtruthahn und einen schwarzen Storch zu sehen. Bei meiner Fahrt zu Ostern in Richtung Highway haben sich alle drei gezeigt….ich hoffe, diese wunderschönen Tiere auch ein andermal zu erblicken - wegen Fotomöglichkeit. Übrigens…Kookaburras haben wir hier auch - aber ihr Lschen ist mehr ein Krächzen - als seien sie verkühlt.

Und jetzt wo ich diesen Bericht schreibe sind Angas und Shane in Alice Springs unterwegs hierher nach Coober Pedy. Am 26.5.2010 kam die Spedition und brachte unsere Sachen aus Coober Pedy. Ich bin umringt von Kartons. Und Mama ist auch schon seit einer Woche in Australien.
Sie flog letzten Dienstag in Perth ein, wo sie einige Tage bei meiner Freundin Irene verbrachte. Seit Sonntag bis Mittwoch war sie in Yulara, der Siedlung um den Ayers Rock - und am Mittowch übernachtete sie in Alice. Zu ihrer besonderen Überraschung standen Shane und Angas vor ihr beim Einchecken im Hotel. Ich kann mir vorstellen, wie groß die Wiedersehensfreude war - und Angas klang am Telefon ganz aufgeregt und glücklich, dass seine AMA da ist in Alice Springs. Er frage nur gleich „Your are in Alice Sping????"…Da musst ich ihm sagen, dass ich schon in Borroloola bin („Bolabola"). Ich sagte ihm dass die Kartons schon alle angekommen sind. Er wusste sofort, dass der blaue truck sie gaebracht hat und dass seine Spielsachen drinnen sind. „Take care of them"…meinte er. Leider muss Shane noch in Alice bleiben - er hat eine ungewöhnliche Augenentzündung und sieht heute um 11.00 Uhr einen Spezilisten. Wir hoffen, es geht alles gut. Oma darf in dieser Zeit auf Angas aufpassen - und am Nachmittag fliegt sie heute nach Darwin weiter - wo sie bis Montag Touristenprogramm macht. Sie wird dort noch Tourist sein und auch nach Kakadu Nationalpark reisen, dem größten Nationalpark in Australien mit der ungefähren Größe von NÖ. Zu ihrem Geburtstag fliegt sie dann zu uns und wir werden sie um 18.30 in Mc Arthur River Flughafen der Mine (Blei, Zink, Silber), ca. 70 km vor Borroloola abholen. Wir freuen uns schon auf die gemeinsame Zeit und ich denke es wird besonders für Angas schön sein, wenn die ersten Wochen in seiner neuen Heimat seine geliebte Oma da ist und viel Zeit mit ihm verbringen kann.
Was wir alles unternehmen werden steht noch nicht fest….darüber dann das nächste Mal…nach meinen 4-wöchigen Ferien wenn Oma Mitte Juli wieder retour fliegt und für mich der Schulalltag am 19.7.2010 beginnt.
Soweit hoffe ich dass es euch in Österreich gut geht.
Liebe grüße in die Heimat
Maria

Maria Schafler / Shane Baty mariaschafler@gmx.at
PMB5 Borroloola Schoolwww.dreamtimesands.at
NT - 0854 - Borroloola
Mob.: 0061(0)45 8899 386
Tel.: 0061(0)8897 58794
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