05_Borroloola, 31_07_2010 - auf Reisen mit Mama und Angas

Mein letzter Bericht von Anfang Juli erzählte von den ersten Wochen meiner bemerkenswerten Mutter, die den Weg hierher nach Australien gemacht hat um das Land zu erleben, uns zu besuchen, mit uns zu leben und auch einige Abenteuer zu erfahren. Bewundernswert, wie Mama alleine gereist ist, ihre Neugierde für so Vieles wach hielt und viel Neues mit uns ausprobierte. Sie schlief erstmals in ihrem Leben unter freiem Himmel in einem Swag, campierte in einem Zelt, probierte alle neuen Speisen und hat viel gesehen und erlebt. Unsere erste Reise von Borroloola nach Katherine und retour brachten sie rund 2.000km durch das Land - und am Sonntag, 4.7. besuchten wir noch den Gottesdienst um 9.30 Uhr in Borroloola um dann gegen mittags abzufahren in Richtung Coober Pedy, liegt immerhin 2.000km entfernt. Schönes Reisewetter ist uns beschert, alles gepackt - auch für kühlere Tage - denn Alice Springs zeigt noch immer Regen und relativ kalt.

Unser Weg führt uns diesmal von Cape Crawford in Richtung Süden über den Tabelland Highway. Eine wunderschöne Strecke….ich bin allerdings froh, dass wir mit unserem neuen Turbo Diesel Nissan fahren. Mit dem alten Auto hätten wir auf der Strecke von Cape Crawford nach Barkley Homestead - 380 km ohne Tankstelle - vom Kanister Benzin nachfüllen müssen, da dieses Auto einen großen Tank für Gas hatte - allerdings in Borroloola kein Gas erhältlich ist. So machten wir uns auf die Fahrt durch das Hochland - das mit Rindern voll war, die hier gute Weideflächen finden (schauen teilweise wie Weizenfelder aus!) und sehr gesund aussehen. Es sind noch immer in erster Linie die asiatischen Buckelrinder die hier gehalten werden, in Richtung Süden begannen sie sich wieder zu mischen - mit auch uns gefälligen Rassen. Ich hatte bei dieser Fahrt fest im Kopf, dass wir im Busch übernachten, denn dies wird die letzte Möglichkeit für Oma sein. Und ich sollte recht behalten. Gegen 17.00 Uhr begann ich meine Suche nach einem geeigneten Platz, den ich auch bald gefunden hatte. Wir waren auf Brunette Downs, wo vor 3 Wochen zum 100ten male die traditionellen Pferdrennen abgehalten wurden. Vorher waren wir drei großen Rindertrucks begegnet, die in der untergehenden Abendsonne dann unser Lager passierten und das Horn tuten ließen (zur Freude von Angas). Angas war ein braver Holzsammler und wir genossen unser kaltes Abendbrot und die Farben der Natur, die Mama heute noch einmal so richtig ganz einatmen konnte. Die untergehende rote Sonne, das zarte Farbenspiel von rosa und hellblau auf der gegenüberliegenden Seite, die ersten Sterne die herauskamen und die Milchstraße in voller Pracht. Der Mond selbst ließ sich erst gegen Mitte der Nacht blicken …. Daher waren wir wirklich alleine mit dem Feuer (welches bis zum Morgen halten sollte!) und den Sternen. Sieben Autos sind in der Nacht vorbeigefahren - da sind bereits jene mitgezählt, die noch in der Abendsonne passierten.
Allerdings muss ich hier auch ein eigenwilliges Naturschauspiel anbringen. Mitten in der Nacht kam Wind auf - und als ich munter wurde war kein einziger Stern zu sehen. Wolken - die sehr nach Regen aussahen - und ich hoffte wirklich, dass wir von diesem verschont blieben. Sollte auch so sein - doch trotzdem war diese Nacht wie ein Wettersturz und der Morgen war ganz schön kühl, sodass wir unsere Jacken brauchten und nach einem heißen Getränk uns auf die Fahrt machten in Richtung Süden. Barkley Homestead war unsere erste Station. Es blieb windig und kühl - den ganzen Tag über. Three Ways hat uns enttäuscht. Wir alle freuten uns schon auf Pies ….. ausverkauft! Wir besuchten das Memorial für Reverend John Flynn, dem Gründer des Royal Flying Doctor Dienstes und fuhren weiter in Richtung Tennant Creek zum Auftanken und den besten Pies die ich seit langem gegessen hatte - und weiter ging es nach Devils Marbels. Steinformationen am Rand des Highways. Nach Erzählungen der Aborigines liegen hier die Eier der Regenbogenschlange. Ein Stein über dem anderen - lange lange in die Landschaft hinein. Ich hätte gerne auch bei „the Pebbles" Halt gemacht, nördlich von Tennant Creek - tat dies allerdings nicht um Zeit zu sparen - außerdem war es sehr windig. Mama und Angas waren von den Devils Marbels begeistern….und ich liebe diese Formationen so und so. Weiter geht es in Richtung Süden …. Und wie dies hier in Australien so ist….es wird immer kühler. Die Fahrt ist angenehm. Am Rande des Highways blühen Blumen und Sträucher …. Alles in Gelb. Bei einem kurzen Stopp zähle ich sieben verschiedene Pflanzen, die verschiedene gelbe Blüten zeigten. Unser nächster Stopp ist Wycliff Well - die UFO Hauptstadt Australiens mit seinen grünen Aliens. Es ist 16.00 Uhr. Angas würde gerne hier übernachten …. Doch ich möchte noch gerne fahren. Es ist noch 2 Stunden lang hell und wir können es bestimmt noch bis Ti Tree oder vielleicht sogar bis Alice Springs schaffen. Weiter geht es ….. bald beginnt der Regen …. Der uns jetzt einige Zeit begleiten wird. Wir lassen Wauchope und Barrow Creek hinter uns und sind auf dem Weg nach Ti Tree. Es ist finster bis wir dort ankommene, bereits cirka 19.00 Uhr und kalt und nass. Wir bekommen Quartier….zwar einfach, nur ein Doppelbett für uns drei und sehr abgewohnt …. Aber ich habe Mama vorgewarnt, dass der Busch hier nicht mit guten Quartieren aufwartet. Weiter nach Alice wollte ich nicht fahren, da ich von der Zimmernot weiß und wir noch immer in der Hauptreiseverkehrszeit sind. Also nehmen wir Ti Tree hin, essen im Pub….leider nicht so gut wie einst …. Und schlafen trotzdem alle gut. Kurzes Frühstück, kurzer Besuch im neuen OUTBACK STORE ( in der ehemaligen Galerie von Peter King) und auf geht es nach Alice Springs, wo ich auf der Bank etwas erledigen muss und beschließe, den Trailer am Campingplatz zu lassen. Leider bekomme ich in Coober Pedy kein unterirdisches Zimmer mehr für uns, aber ich glaube im Endeffekt war Mama sehr froh darüber, sie war sich am Ende nicht sicher ob ihr Wohnen ohne Tageslicht gefallen hätte. Ich erledige Dinge in der Stadt (bei strömenden Regen), Mama und Angas sind beim Burger King - wo Angas eine Krone bekommt - die er zu einem Ritterhelm umfunktioniert - und seitdem ist das Thema Ritter die Nummer EINS beim Spielen. Tanken - und gemeinsam fahren wir in Richtung südlich der Gap, wo ich für unsere Übernachtungen vorreserviere (wer weiß!) und den Trailer da lasse. Die Swags sind so und so schon nass … all okay, und im Nachhinein gesehen muss ich sagen - das war eine weise Entscheidung! Der Trailer wäre in Coober Pedy nur ein Hindernis gewesen, Diesel hätten wir mehr gebraucht…..und somit war das okay. Um 13.00 Uhr fahren wir in Alice Springs weg. 700 km liegen noch vor uns und ich hoffe, dass ich nicht müde werde und dass irgendwann der Regen aufhört. All okay. Regen hört nach Stuart Wells auf. Gott sei Dank. Pausen machen wir auf unserer Fahrt wenige. Zimmer in Coober Pedy ist reserviert - also kann uns nichts passieren. Sonnenuntergang sind wir in Marla - also nur mehr 200 km nach Coober Pedy. Einmal haben wir Kühe auf der Strasse die Gott sei Dank sich nicht bewegen und mich vorbei lassen. Es ist bewundernswert wie gelassen Angas die lange Autofahrt hinnimmt. Er beschäftigt sich viel mit sich selbst, plaudert mit uns, singt, schläft ….. Irgendwann meint Mama, schade, dass wir nie einen langen Zug gesehen haben - und nach 5 Minuten tauchen Lichter am Horizont auf. Ich traue meinen Augen nicht - denke da muss ja bereits Coober Pedy kommen. Wir sind cirka 40 km entfernt - und ich habe da nie einen Zug gesehen. Eigenartig. Aber…als wir näher kommen, ist mir klar - das waren jetzt die Lichter von Coober Pedy. Ich bin nie vom Norden in der Nacht hier eingefahren…..all okay. Angas freut sich sehr auf Coober Pedy, weil er endlich seine Freunde wieder sehen kann. In Borroloola kennen ihn mittlerweile viele Kinder - aber Angas spricht nicht mit ihnen. Er meinte: „Angas does not need any kids. I have already got my friends." … und das sind Damien, Kaleesh und Kevin in Coober Pedy. Ich habe ihm dann erklärt, dass dies weit weg ist…und er vielleicht doch ein paar Freunde in Borroloola finden sollte (was er mittlerweile getan hat, da er Kindergarten und Kinderkrippe besucht!).
Wir kamen wie programmiert um 21.30 Uhr in Coober Pedy an - in ein geheiztes Zimmer - denn draußen war es echt kalt. Ausräumen, fertig machen - schlafen. In einem fast „Luxuszimmer". Wir nächtigen im Desert Cave Hotel - ein 4-Sterne Hotel, das von einem Deutschen und seiner philippinischen Frau geführt wird. Große Betten, viel Platz, alles sauber - und auch Tageslicht, denn die unterirdischen Zimmer waren alle ausgebucht. Wir schlafen gut und fest. Angas wollte anfangs ins Einzelbett- aber im Endeffekt hat er beschlossen, mit mir im großen Bett zu schlafen und Oma nächtigte im Einzelbett.
Den nächsten Tag vormittags nehme ich mir „frei" (Bericht und emails fertig stellen) - es ist Mittwoch, 7.7.2010. Oma und Angas machen einen „Stadtspaziergang". Immerhin hat Angas einige Zeit hier gelebt und kann Oma richtig herumführen - Katholische Kirche, Supermarkt, Postamt, Opalgeschäfte, …. Und natürlich kommen sie mit neuem Spielzeug zurück. So wie in Borroloola zeigt Angas Oma ganz genau war er denn alles brauchen kann ….. und findet bei Oma immer ein offenes Ohr für seine Wünsche. Oma hat einen ersten „guten" Eindruck von Coober Pedy bekommen. Sie ist froh hier zu sein, in dieser „unterirdischen" Stadt mit den Opalen - wo sie nun sehen kann, wo wir gelebt haben. An diesem Nachmittag haben wir drei eine Tour gebucht mit Yani's Bussen vom Stuart Range Caravan Park, wo ich gearbeitet habe. Ich dachte - und das war okay so - dass dies die einfachste Art ist, Coober Pedy kenn zu lernen und Informationen zu erhalten. War einfacher für mich, als überall hinzufahren. Außerdem hat sich Yani und die Familie gefreut, dass wir gekommen sind - und wir haben uns auf die Pizza am Abend gefreut. Wettermäßig war es okay. Blauer Himmel - aber kalt und so schön denn die Wüste war mit einem zarten grünen hauch bedeckt. Kleine Geschichte am Rande: Eigentlich wollte ich auf die Tour mit Geoffs Bus (und nicht mit Andis Bus) fahren - Gott sei Dank waren wir mit Andi unterwegs - denn Geoffs Bus hatte ein technisches Gebrechen - und sie kamen erst um 22.30 Uhr zurück von der Tour. Glück gehabt - genauso als ich feststellen musste, dass meine Geldbörse fort war????? Die neue Rezeptionistin vom Caravan Park war zur gleichen Zeit wie wir im Ummoona Museum - und hat zufällig mein Gespräch mit den Buschauffeueren gehört. Sie meinte nur - die Börse liegt im Caravan Park. 20 Minuten lang war ich …… mehr als aufgeregt …dann war ich wieder beruhigt. Ich wusste dort liegt sie gut - und sie muss als ich meinen Rucksack geöffnet habe herausgefallen sein (um Spielzeug für die Kinder herauszugeben) - so weit - ein aufregender Tag.
Die Pizza war herrlich - und so war die verdiente Nachtruhe. Fürs Frühstück hatten wir uns alles besorgt - und um 10.00 Uhr habe ich mit Patricia ausgemacht - Angas kann zu ihr kommen. Welch ein Wiedersehen der Kinder. Herz was willst du mehr. Ich erledige dann noch Post, ein wenig einkaufen etc. Mama ist in dieser Zeit „shoppen" und findet natürlich einen wunderschönen Ring mit einem Opal, passend zu Anhänger und Stein von Shane. Um 13.00 Uhr hole ich die Kinder ab, wir besuchen Junky Monkey, die nach einem Schlaganfall wieder in Coober Pedy ist und holen Mama ab, um Crocodile Harry's Nest zu besuchen. Erst jetzt sehe ich, wie viele Bilder aus Borroloola hier zu sehen sind - aus der Zeit als Harry noch „Harry the Whiskers" war und im australischen Norden Krokodile jagte. Den Kindern gefällt es, auch meiner Mutter. Ein kurzer Besuch am Flughafen, macht Angas wieder ganz happy und bevor ich Kaleesh nach Hause bringe (Damien ist in Port Augusta, leider nicht da) gibt es noch eine ice-cream. Yumm. Unsere dritte und letzte Nacht in Coober Pedy bricht an. Sonnenuntergang bei der Big Whinch - impossant wie immer. Es ist relativ ruhig auf der Strasse - auch bei den Automaten. Am nächsten Morgen heißt es packen, tanken (billigster Diesel für tausende Kilometer- vis a vis Autokino!), kurzer Besuch bei Yani am Campingplatz um mich zu verabschieden, Stopp für alle drei in der Kirche - und dann geht es retour nach Alice Springs, wo wir um spätestens 21.00 Uhr sein müssen, denn sonst können wir nicht mehr einchecken. Fahrt mit viel Wind - Gott sei Dank ohne Regen. Wenige Stopps - außer in Kulgera - das ist Muss - denn immerhin haben Shanes Eltern dort viele Jahre lang gearbeitet. Um 20.30 Uhr checken wir in Alice Springs, Stuart Range Caravan Park ein - in unsere normale Cabin - wie zu Hause - für 5 Nächte - denn in Alice ist einiges zu erledigen. Die Helferleins des Caravanparkes helfen mir am Morgen den Trailer zu holen - und Angas und Mama freuen sich auf die Camel Races …..ich auch. Zufällig haben wir dieses Wochenende erwischt - und wir genießen den Flair und das Essen, die Getränke und die Leute. Das erste Rennen lässt uns viel Lachen - ein Kamel kommt ohne Reiter ins Ziel, ein Kamel setzt sich genau vor dem Ziel nieder und ein weiteres dreht einfach um. That's big fun.
Wir haben Glück - es regnet nicht - obwohl es nach Regen riecht und aussieht. Angas ist von den Bauchtänzern ganz angetan. Eine Frauengruppe, die diesen „Tanz, Sport" in Alice Springs betreibt und zum Camel Race an die Öffentlichkeit geht. Angas ist fasziniert von den Klängen, Bewegungen, Kostümen, …. Er ist kaum wegzubringen. Wir essen Kamelfleisch und nehmen fürs Abendessen was mit nach Hause. Wir sind ja jetzt Selbstversorger - mit Küche und allem drum und dran. Denn - in Alice essen gehen ist nicht so aufregend. Wir besuchen den katholischen Abendgottesdienst am Samstag und sind dann froh, ins Bett zu gehen.

In der Nacht beginnt es zu schütten - und es soll den ganzen Sonntag weiterregnen. Nach einem herzhaften Frühstück (auch mit Pancakes - gibt es vom Campingplatz) fahren wir in die Stadt. Es sollten Sunday Markets sein - bin mir nicht sicher ob die bei diesem Wetter abgehalten werden? Jedenfalls setzte ich Oma in der Stadt ab, ich gehe mit Angas einkaufen, er braucht etwas Gewand - wir fahren nach Hause und warten auf Omas Anruf. Die ist im Bojangles und meinte „ready to be picked up." Wie vermutet - Sunday Markets gab es keine - aber nachdem die meisten Geschäfte offen hatten, hat sie einen kleinen Geschäft- und Galerie Bummel gemacht. Gemeinsam besuchen wir noch den „Reptilien Zoo" - ich war auch noch nie dort - und das ist das richtige Programm für einen Regentag.
Ich beginne dann meine Einkäufe. Sonntag - alle Supermärkte sind offen - Woolies bis 22.00 Uhr und Coles sogar bis 24.00 Uhr - einzig K Mart sperrt „schon" um 19.00 Uhr. Oma glaubt schon ich komme gar nicht mehr nach Hause - aber ich habe einfach schon viel erledigt und das Auto ist ordentlich voll. Außerdem wollte ich noch die Chance nutzen, doppelte Qantas Frequent Flyer Punkte zu bekommen - letzter Tag - zum ersten Geburtstag der Zusammenarbeit von Qantas und Woolies. Für Montag haben wir eine Tour für Angas und Oma gebucht nach Palm Valley und nach Hermannsburg - ich sehe diese Tour buchstäblich schon im Wasser versinken. Noch dazu bekomme ich von den Tourunternehmern einen Anruf (gegen 20.00 Uhr), dass ihr Auto kaputt ist, und sie auch noch keinen Alternativanbieter gefunden haben. Dieser sollte sich in der nächsten halben Stunde finden. Angas und Oma fahren mit AAT Kings hinaus - und es ist ein schöner Tag und sie fahren durch viel Wasser mit ihrem Geländefahrzeug. Palm Valley ist nur mit 4WD zu erreichen. Dort wachsen noch natürlich die Cycade Palm Trees - die „Dinosaurier" unter den Pflanzen. Am Retourweg waren sie dann in Hermannsburg, der ersten Inlandmission, wo es heute noch gezogenen Apfelstrudel mit Sahne gibt. Ich glaube, die zwei haben den Tag genossen und sie genießen auch die Spaghetti die ich gemacht habe zu ihrer Rückkehr, nachdem ich einen anstrengenden Stadttag hinter mich gebracht habe.

Dienstag, 13.7.2010 -Packtag, Einkaufstag, Spieltag - Oma will gar nicht mehr weg vom Campingplatz - denn sie bereitet sich auf die Abreise am Mittwoch vor - ich versuche noch dies und jenes zu ergattern, möchte gerne mit Oma zum Sonnenuntergang noch auf den Ancazc Hill - doch sie will nicht mehr. Sie nimmt Abschied, von mir und von Angas - und sie blickt zurück auf ihre Reise und auf die vielen schönen Stunden. Angas und Mama haben ein inniges Band geknüpft. Vom 31.5. bis zum 14.7.2010 - das sind immerhin 6 Wochen die Oma und Enkel intensiv miteinander erleben durften. Im Haus, im Busch, im Auto on the Road, in der Stadt, bei Sonnenschein und Regen, auf Tour, im Zelt, beim Spielen, …. Alles inkludiert - und beide haben einander sehr lieb gewonnen. Sie werden einander vermissen, so wie auch ich Mama vermissen werde. Aber für uns ist es nicht neu, Abschied zu nehmen, obwohl ich am Flughafen in Alice ein paar Tränen zerdrücke. Angas gibt Oma kein Bussi - draußen als wir zum Auto gehen, da schickt er 1.000e Bussis an sie und meint: „Angas like Oma." Schade, dass jetzt auch die Zeit vorbei ist, dass er mehr der deutschen Sprache ausgesetzt ist. Er versteht sehr viel und hat begonnen auch deutsch zu sprechen. Im Moment ist es so, dass er bei vielen Wörtern fragt - ob denn das nun englisch oder deutsch sei? Angas ist ein gutes Kind - ein richtiger Bub - sehr aufgeweckt, schnell, er malt gerne, sieht gerne TV, hat seine Pistolen, Gewähre, Pfeil und Bogen gerne,….und ist natürlich auch manchmal schlimm. Die Geschichte vom grünen Licht und der grünen Spielzeug Polizei die Oma in der Nacht begegnet sind, die sie erfolgreich abwehren konnte, weil Angas ja brav ist, hat ihm fasziniert - und er ist noch immer sehr besorgt, dass diese Polizisten in der Nacht kommen. Seinen aus Österreich importieren „Hasen" liebt er zum Schlafen gehen auch noch immer über alles und sein rotes ägyptisches Tuch hilft ihm beim Trinken seines Gute-Nacht-Schluckes ins Träumeland hinüberzugleiten. Bevor lesen wir natürlich Bücher. Am liebsten wären ihm zehn oder mehr…..aber ich konnte das Gott sei Dank auf 1 bis 2 reduzieren. Obwohl - im Moment hat er die dicken Märchenbücher und sein „Bauernhofbuch" entdeckt, und die blättert er von vorne bis hinten durch, singt, liest, fragt, …..
Ja und was Mama besonders aufgefallen ist, dass er sich so viele Sachen merkt. Sobald wir wo vorbeifahren, wo wir waren, erinnert er sich, was denn da alles passiert ist, mit wem er wo war und was er dort gegessen und getrunken hat.
Ja und so kann meine Mama viele Eindrücke aus Australien mit nach Österreich nehmen. Ich habe ihr viele viele Fotos entwickeln lassen, damit sie auch diese als Erinnerung für Österreich hat und ich denke, es hat ihr gut gefallen. Ihre Reise durch Australien - und mit und uns hat es gut getan Oma so frisch und munter zu sehen, so agil und offen für Neues und immer mit dabei wenn es was zu sehen gab. Sie hat meine Bewunderung und es ist großartig zu sehen, dass sie ihre nächste Reise nach Down Under plant. Denn es gibt noch viel zu sehen!

Unsere Reisetage sind angebrochen - Gott sei Dank kein Regen. Wir zwei, Angas und ich verabschieden uns von Oma am Flughafen in Alice Springs um noch den Trailer am Campingplatz zu holen, Tomatenpflanzen einzukaufen, eine Registrierung für den Trailer zu machen - und ab geht die Post. Gutes Reisewetter und viel zu erzählen und zu plaudern. Oma hat auch Angas beeindruckt - und ich überschlage im Kopf die vielen Kilometer, die sie auf australischen Straßen zurückgelegt hat:
Perth und die Tour zu den Pinaccles - rund 800 km
Ayers Rock nach Alice Springs (mit Fahrt zu Kings Canyon und Olgas etc) - rund 600 km
Darwin nach Kakadu und retour - rund 600 km
Borroloola und Ausflüge - rund 500 km
Borroloola - Katherine und retour - rund 2.000 km
Borroloola - Coober Pedy - rund 2.000 km
Coober Pedy - Alice Springs - rund 700 km
Sydeny - Blue Mountains - rund 400 km
Sydney - Fahrt mit Freunden - rund 400 km
….. all in all rund 8.000 km in 2 Monaten ….easy in Australia!

Nachdem Mama Alice Springs verlassen hatte flog sie noch nach Sydney, wo sie 8 Nächte in "The Rocks" im Rendevoud Stattford Hotel untergebracht war. Ein Quartier, das wir im Internet gefunden haben. Sie war neben dem „clocktower" in diesem alten - und so schön renovierten - Hafenviertel, mit Blick auf die Harbour Bridge von ihrem Balkon aus. Ich glaube, Mama liebte Sydney - ist ja auch eine schöne Stadt und sie hat so ziemlich alles gemacht, was man als Tourist hier erleben kann. Sie fuhr mit den zwei „Explorer Bussen" - der eine führte durch die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten, der andre hinaus zu Bondi Beach. Mama meinte, da habe ich endlich einmal auch ordentliche gemauerte Häuser gesehen, nicht nur diese Blechhütten. Recht hat sie. machte natürlich eine Hafenrundfahrt mit Captain Cook Cruises, und sie war gleich zweimal am AMP Tower - weil der Blick so faszinierend ist. Einmal war sie zum Sonnenuntergang - war nicht viel Untergang zu sehen, aber das Erwachen des nächtlichen Sydney war wunderschön. Wir buchten bereits in Borroloola eine Karte für die Oper, „Das Mädchen aus dem goldenen Westen" und eine Karte fürs Konzerthaus - Beethoven Nr. 5. Den Erzählungen nach glaube ich hat ihr das Konzert noch besser gefallen als die Oper - ist ja auch das schönere Ambiente. Außerdem war sie fasziniert, dass so viele Frauen in dem großen Orchester mitspielten. Sie hatte einen Sitz genau über dem Orchestergraben. Ich glaube Mama hat diesen letzten Abend in Sydeny ganz genossen. Das Wetter war auch sehr schön. Einzig die Fahrt zu den Blue Mountains führte erwartungsgemäß in kühlere Gefilde - aber nicht so schlimm. Mama konnte eine deutschsprachige Tour (kleine Gruppe) ausfindig machen, mit guter Verpflegung in einem Hotel, das natürlich wie das in Katoomba um diese Zeit so üblich ist, weihnachtlich geschmückt war. In den Blue Mountains wird Weihnachten (mit allem Drum und dran) am 24. und 25. Juli gefeiert. Weihnachten mit Schnee. Ich kann mich noch gut an meine erste Reise durch Australien erinnern, als wir dort gelandet waren. Ein bisschen verrückt. Zieht allerdings Touristen an. Und ich weiß, auch in Coober Pedy gab es am 25.7. eine Weihnachtsdisco für die Jugend.
Mama hat auch Kontakt mit der Schwester einer ihrer Freundinnen aufgenommen, mit der sie dann einen sonntäglichen Ausflug machte - hinaus - an die Küste - ……. Ein paar hundert Kilometer.
All in all glaube ich hat Mama eine wunderschöne Zeit gehabt - mit uns, mit dem Land, den Leuten, ihren Erlebnissen. Die zwei Nächte in Dubai waren dann noch eine Draufgabe - um den Flug und die Zeitumstellung besser zu bewältigen. Und nun ist Oma wieder in Traiskirchen - und hat viel zu erzählen, für alle. „Wenn einer eine Reise tut…..!"

Bei uns hier in Borroloola ist wieder Alltag eingekehrt. Nachdem wir Oma in Alice Springs verabschiedet haben machten wir uns auf den weg in Richtung Norden. Übernachtet haben wir diesmal in Wycliff Well bei den grünen Aliens, die Angas sehr viel Respekt eingeflößt hatten - und das grüne Monster am Parkeingang hatte es ihm besonders angetan. Ein Besuch im Aliengeschäft ließ ihm sogar einen Alien sehen. Der Besitzer (oder diensthabende Angestellte) verwickelte Angas in ein echtes Gespräch (Frage, Antwort, alles ernst genommen,…) während Angas sein grünes Eis lutschte. „I like this man and his questions." Kurz nachher kam er als Alien - oh das war eine Freude.
Am nächsten Tag reisten wir weiter - viele Kilometer - und sind am Abend müde in Borroloola gelandet. All okay. Und so hat unser Leben wieder seinen Lauf genommen.
Mein zweites Semester hat begonnen, Angas geht in den Kindergarten, Shane arbeitet auf der Gemeinde.
Lustige Geschichte am Rande: An meinem ersten Arbeitstag bekomme ich in der Schule Besuch von Gerda, Gerald, Pia und Robert, einem österreichischen Ehepaar, die mit ihren zwei kleinen Kindern auf Australienreise sind und die wir in Katherine am Campingplatz im Swimmingpool kennengelernt hatten (weil ich mit Angas deutsch gesprochen habe!). Die vier sind auf ihrem Weg nach Cairns, haben leider keine Zeit zu bleiben - lassen drei DVDs da und sind schon wieder dahin, da ich noch eine Stunde unterrichten musste!
Zwischendurch haben wir es erlebt, dass der australische Premierminister des Amtes enthoben wurde, sein deputy nun Minister ist (seit 24.7.) und am 21. August gibt es Neuwahlen. Sehr viel Politik im Fernsehen.
Ich bin schon neugierig wie die Wahlen ausgehen werden.

Die täglichen Temperaturen klettern mittlerweile auf 33 Grad und es wird schon wieder heiß. Die kühle Zeit mit nur 20 Grad und angenehmen Nächten ist vorbei. Letzten Sonntag waren Shane und Angas jagen und der Jagdgott war ihnen gnädig. Unsere Tiefkühltruhen sind gefüllt mit Rind- Büffelfleisch und Fischen. Ein Teil des Lebens hier im Outback. Unser langes Wochenende (Montag, 2.8. ist Picknick Day)verbringen wir mit Gartenarbeit und Hausarbeit - ich muss auch noch meine Schulprogramme schreiben. Aber sonst alles okay hier Down Under.

Liebe Grüße von uns allen
All the best
Maria, Shane und Angas.

P.S.: Zum Geburtstag habe ich ein besonders Geschenk von Angas bekommen - er hat beschlossen mich nicht mehr MIA zu nennen (manchmal bin ich Mami und manchmal Mia) sondern Maria. Ist doch schön.
…. knapp vor meinem Geburtstag haben wir mit einer österreichischen Kollegin gefeiert. Stammt aus Perchau, Steiermark, ist schon seit 1082 in Australien und arbeitet in Tennant Creek als relief teacher. Welch ein netter Abend.


Maria und Familie, samt meiner Mama
Maria Schafler / Shane Batyb
PMB5 Borroloola School
NT - 0854 - Borroloola
Mob.: 0061(0)45 8899 386
Tel.: 0061(0)8 8897 58794
mariaschafler@gmx at
www.dreamtimesands.at

P.S.; Ich habe jetzt noch 8 Wochen Schule - dann 1 Woche Ferien … dann nochmals TERM 4 für 10 Wochen und auf in die Sommerferien am 10. Dezember. Ich hoffe, auch im nächsten Jahr hier noch arbeiten zu können.