06_Lebensbericht
Borroloola, 28.9.2010 SCHOOL LIFE_TERM3_2010

Nach den langen Ferien mit Mama und Angas war es gar nicht so einfach wieder den Schulrhythmus zu finden. Es war auch gar nicht so einfach den Lebensrhythmus zu gestalten. Ich ging in die Schule, Angas in die Pre-School (Kindergarten) und Shane begann zu arbeiten. Alles NEU. Glücklicherweise haben wir hier auch eine Kinderkrippe. Angas geht direkt von der Schule dorthin und Shane holt ihn um 16.00 Uhr ab. Am Morgen kann er mit in die Schule gehen. Oft sagt er: „I do not want to go to school. I am afraid of the big kids there." Was ich ihm gar nicht verübeln kann, aber bis zum heutigen Tag hat er sich gut eingelebt. Das erste Schulwochenende von TERM 3 - 24. und 25.7.2010 war gekennzeichnet von Jagdfieber von Shane und Bekannten aus Canberra. Die Männer (Angas mit dabei) erlegten Buffollos, Rind, Truthähne,…. Und alle waren glücklich. Wir essen heute noch das damals erlegte Wild. Schmeckt lecker. In der Woche 2 von Term 3 hatte ich ab dienstagnachmittags keine Stimme und blieb den folgenden Tage bis Dienstag, 3.8.2010 zu Hause - Montag war ein Feiertag, Picnic day! In dieser Woche hatten wir eine Lehrerin aus der Steiermark bei uns, die einen Abend bei uns verbrachte. Good Value! Meinen Geburtstag konnte ich somit auch in Ruhe feiern. Wir genossen den Morgen mit Lachs und Kaviar, fuhren nach Bing Bong - wo die Erze aus McArthur River Mine verschifft werden. Ein netter Ausflug - ein ruhiger Tag - mit selbstgebackenem Kuchen, von dem ich die Hälfte am nächsten Morgen in die Kirche mitbrachte. Die Kinder freuten sich übermächtig.
Viele Tage (und vor allem Wochenende) habe ich mit dem Schreiben des „programs" verbracht, das jeder Lehrer hier für jedes Semester anfertigen muss. Ein ziemlicher Aufwand, aber ich kniete mich ordentlich hinein, und kann zufrieden sein, mit der Arbeit die ich geleistet habe. Zumal ich ja noch meine Probezeit habe - und da will ich keine Fehler machen. Die Sommergrippe hat mich noch immer - und ich fühle mich eigentlich bis Woche 4 krank und schwitzend und heiß. Alles vorbei, alles vergessen- denn im Moment wo ich diese Zeilen schreibe sind Ferien, 1 Woche - und ich genieße sie. Ich habe ein wenig mehr Zeit für Angas. Das ist gut so. Er ist mittlerweile ein richtiger Schulbub. Wie schnell er alles gelernt hat. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass er sich selbst anzieht. Mittlerweile sucht er seine Kleidungsstücke selbst aus, putzt alleine Zähne und kann so viel sprechen. Er erzählt oft von Oma - und das meist in Deutsch. Ich selbst spreche meist deutsch mit ihm, er antwortet auf Englisch. Ist irgendwie lustig, besonders für die Kinder hier die jedes Mal wissen wollen, ob wir denn language sprechen. Den Bericht der Globusbiker habt ihr ja alle bekommen. Kathi und Thomas sind derzeit in Westaustralien - und ich erhalte noch immer ihre newsletter. Es war fein, sie bei uns wohnen zu haben. Angas meinte, da ist ein Haus in unserem Garten, was ja auch stimmte, denn die zwei campierten in ihrem Zelt, und ließen mir einige Scheiben Pumpernickel da - als Ausgleich zum frisch gebackenen Damper.
Unsere Hunde (Rummel und Minni) haben ihre eigene Gehege im hinteren Teil des Gartens bekommen. Tschipelli ist an der Leine und bewacht nachts frei unseren Garten. Es ist herrlich Angas zu beobachten, wie er als König und Ritter die Hunde kommandiert und mit ihnen spielt, auf ihnen reitet und seine Freude mit ihnen hat. Ritter und Ritterburgen, das ist derzeit das Thema Nummer eins. Wenn er bei mir in der Bibliothek ist, liest er meist diese Ritterbücher und zu Hause haben wir ein großes Schloss aus Karton gebastelt. Unsere Ritter samt Pferd sind aus Clopapierrollen und geschmückt mit Ritterbildern (Schachteln der Buntstifte aus der Schule!). Angas hat rund 5 Schwerter, mit denen er gegen Monster und Eindringlinge kämpft - neben den Pfeil und Bogen, die er täglich aus Ästen bastelt. In der Woche 5 gibt es den Jahreshighlight in Borroloola. RODEO: Freitag bis Sonntag - und wir sind alle drei Tage dort. Die vielen Pferde und Rinder, die Kunststücke der Cowboys und der Kinder faszinieren uns alle - wie natürlich auch die vielen Standeln mit Spielwaren und Essen. Bei einem Stand (mit lachenden Hexen und riesigen sich bewegenden Spinnen) redete uns jemand in Deutsch an - und das im tiefen Busch, abseits der Zivilisation. Week 6 ist von den Wahlen gekennzeichnet, die hier von einer mobilen Kommmission entgegen genommen werden. Die Konservativen gewinnen - doch nicht genug - und wird die Regierung mit Labour und den Grünen gebildet. Sehr europäische Zustände, die den Australiern nicht wirklich gefallen. Aber - nach 2 Wochen steht die Regierung und Australien hat erstmals eine weibliche Premierministerin, die nicht einmal hier geboren wurde! (Heute da ich den Bericht schreibe wurde dir neue Regierung angelobt!)
Das Schulleben wird für mich ein wenig einfacher, weil ich die Kinder und ihre Familien kennenlerne, weil ich das System kennenlerne,….??? Wer weiß warum - aber - ich denke das ist ganz normal, dass es einige Zeit braucht sich in einer Schule einzugewöhnen. Und, dabei lerne ich viel. Die Computer habe ich jetzt umgestellt, sodass wir am Netzwerk arbeiten können, vereinfacht vieles - und die Bibliotheksstunden gefallen mir sehr gut, zumindest mit einigen Klassen. Eine Klasse darf im Moment nicht in die Bibliothek…zu laut (aber so viel ich mitbekomme, sind sie das überall!)
Die Kinder grüßen Angas auf der Straße und freuen sich immer, ihn zu sehen. Doch er antwortet nach wie vor kaum ihre Grüße - ganz selten. Und doch war er vergangenen Samstag auf einer Geburtstagsfeier eingeladen - und da hat er auch ein wenig gespielt.

Ansonsten gibt es hier nichts Aufregendes. Unsere Nachbarn spielen manchmal sehr laut Musik bis in den morgen - bis Shane eine Klage einbrachte - und dann ist es vorbei. Gott sei Dank!

Woche 10 waren Shane und Angas unterwegs. Katherine zum shoppen. Eigentlich wollten sie auch die Mutter von Angas besuchen - doch sie war - wie schon so oft - nicht auffindbar. Angas tut mir leid, denn oft sagt er, er möchte gerne mit Christine telefonieren und nach Alice Springs fahren - was so viel heißt wie: „Ich will Christine sehen."

Jetzt, Ende September, ist es schon ziemlich heiß. Seit meine Mutter abgereist ist, haben wir von kühlen Tagen bis kalten Nächten alles erlebt - bis hin zu sehr heißen Tagen und mittlerweile heißen Nächten. Alle warten auf den Regen, der angeblich diese Hitze erträglich macht. Mal sehen. Tagestemperaturen um die 35° C und nächtliche Temperaturen um die 20° - that is hot. Ich hoffe, dass es nicht noch heißer wird!

Vergangenen Donnerstag, kurz vor den Ferien hatte ich mein erstes „probation" Gespräch - und nun sind es weitere 6 Monate, bis ich fix angestellt werden kann. Heute habe ich meinen online Kurs für den ICT Betreuer (Computer Betreuer) der Schule erfolgreich abgelegt - und kann als solcher arbeiten. Ich bin neugierig, welche Hürden sich da auftun werden. Mal sehen - jedenfalls kann ich sicher viel davon lernen. Es ist hier überhaupt so, dass die Lehrer viel im Lernstadium sind, was ja nicht schlecht ist. Ich bemerke nur, sobald etwas läuft, kommt wieder was Neues - und dann ist es oft schwer, sich zu orientieren.
Ich bin schon neugierig, ob mir mein Chef einen Posten für das Schuljahr 2011 anbietet, denn die Posten werden hier von den Schuldirektorinnen besetzt. Ich denke, ich mache gute Arbeit und hoffe, dass wir alle in Borroloola bleiben dürfen - wenn nicht, wird sich etwas andres auftun.
Ich genieße jedenfalls unseren großen Garten und die Sterne und den Gesang der Vögel in der Früh, die uns mittlerweile früher aufwecken - denn immerhin haben wir Frühling. Am 9.9.2010 haben wir den Geburtstag von Shane gefeiert - und sind erstmals seit meine Mama abgereist ist essen gegangen. Tat sehr gut. Wir waren diesmal Im Borroloola Hotel (Pub), wo es einen kleinen Swimmingpool für die Kinder gibt und solange es hell ist können wir auch das Krokodil besuchen, im Hinterhof.
Apropos Swimmingpool: Die Mine hat vor einem Jahr der Gemeinde ein Swimmingpool geschenkt. Ordentliches Kinderplanschbecken und großes Pool Es ist echt fein, schwimmen zugehen, zumal in den natürlichen Gewässern es sehr gefährlich ist - dank der großen Krokodile.
Leider, ist das Schwimmbad sehr unregelmäßig offen. Die Gemeinde hat in den vergangenen 12 Monaten, 6 Leute ausbilden lasse - aber sie kommen einfach nicht zur Arbeit - und so liegt das Öffnen (oder nicht) an Bertho - der lieber geschlossen hält.

Heute waren die ersten großen Regenwolken über dem Himmel … erste Blitze … kein Regen….aber er wird bald kommen!
So weit all the best….liebe Grüße …. Und bis zum nächsten Mal.
Maria und Familie
PMB 5 Borroloola School
Borroloola-
NT - 0854 Borroloola
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